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Eltern, Kinder, Corona: Das Leben, das ich nie wollte

Kinderhände halten ein selbstgemaltes Bild hoch.

Ich lebe ein Leben, das ich nie wollte. Seit über 10 Wochen jetzt betreuen mein Partner und ich unser Kind zu Hause. Zusätzlich zu unserer Arbeit, klar. „Nebenher“. Unser Kind ist viereinhalb Jahre alt und sehr aufgeweckt, und es fordert viel Aufmerksamkeit. Seit ich vor etwa 6 Wochen einen Hilferuf absetzte, weil ich nicht mehr wusste, wie ich mit der Überforderung anders klar kommen sollte, werden wir 3-4 Mal in der Woche unterstützt von Freund*innen, die dann das Kind für 2 Stunden übernehmen. Die Freund*innen leben mit uns im gleichen Haus und nehmen wie wir die Kontaktbeschränkungen äußerst ernst.

Kinder, Küche, Kompromisse

Als ich mich 2014 dafür entschieden habe, dass ich ein Kind möchte, war das eine knappe Entscheidung. Man könnte fast sagen, dass ich ein Kind „in Kauf genommen habe“. Ich war 34 und wusste, dass unsere Gesellschaft Kinder nicht besonders wertschätzt. Kinder werden als Makel im Lebenslauf wahrgenommen, als Zeit- und Geldfresser, als Wesen, die dir Jugend, Sexdrive und Partynächte rauben und sie ersetzen durch Kackwindeln, Kindergeburtstage und einen gebeugten Rücken vom vielen Katzbuckeln in alle Richtungen: Damit du überhaupt die dir gesetzlich zustehende Kinderbetreuung bekommst, damit dir das Elterngeld auch wahrhaftig ausgezahlt wird, damit du in einem Restaurant sein darfst mit deinem Kind, damit du in deinem Job weiterarbeiten darfst, man stelle sich das mal vor. Ich hatte außerdem Angst vor den physischen Veränderungen der Schwangerschaft, scheute die Verantwortung, die Eltern nie wieder ablegen können, macht euch da nichts vor. Und vor dem systemischen Sexismus, dem Mütter anders und mehr ausgesetzt sind als kinderlose Frauen. Und Mütter natürlich gänzlich anders als Väter. Ich nahm das damals in Kauf, weil wir uns ein Kind wünschten. Und wir lieben es sehr. Es ist das beste Kind der Welt.

Ein Kind liegt auf dem Bauch und malt.

Aber es war eine durchaus knappe Entscheidung. Und hätte ich gewusst, dass irgendwann der Zeitpunkt kommen würde, wo wir uns auf keine Unterstützung mehr verlassen können, ich hätte mich dagegen entschieden.

Corona bringt es an den Tag

Und dann kam Corona, und es ist soweit: Es gibt keine Unterstützung mehr. Wir Eltern vegetieren seit bald einem Vierteljahr (gebt euch das mal, bitte!) in unseren Familienhöhlen und sollen alles gleichzeitig machen, wenn wir auch künftig noch existieren wollen. Wir sollen arbeiten und die Kinder betreuen, dabei hübsch still sein, wir wollen ja hier nicht die Revolution proben, und wer sich beschwert darf mit Whataboutismen rechnen wie „Was ist denn mit den Alleinerziehenden, den Alten, der Autoindustrie!?“ Und weil wir ja wirklich wissen, dass es gerade anderen Menschen auch schlecht geht und einigen natürlich auch schlechter als uns, halten wir mehrheitlich die Klappe. Ich habe von Müttern (sic) gehört, die zwischen 5 und 7 Uhr am Morgen arbeiten, um danach die Kinder betreuen zu können. Ich habe von inoffiziellen Spielabsprachen erfahren. Ich habe von Nervenzusammenbrüchen gehört. Und von Suizidgedanken.

Unvorstellbar? Dann stell dir vielleicht mal vor, alle 15 Minuten klingelt ein Wecker. Wenn er klingelt, musst du eine zufällige Aufgabe machen, zum Beispiel ein Brot buttern, ein albernes Spiel spielen, kneten oder ein Buch vorlesen, mit einer 50%igen Chance, dass du die Geschichte so richtig scheiße findest. Und das musst du mit einem Lächeln tun und voller Liebe. Von 7 Uhr am Morgen bis 8 Uhr am Abend. Du darfst für eine Weile den Wecker ignorieren, aber dann musst du die ganze Zeit über darüber nachdenken, was für ein schlechter Mensch du bist und wie du die Leben aller Menschen langsam zerstörst, die du liebst.

Und das machst du jetzt bitte neben dem Job, dem Haushalt und dem ohnehin ständig drückenden Stress durch eine weltweite Pandemie – und du machst das bitte 10 Wochen lang, ohne, dass Besserung in Sicht wäre. Herzlich Willkommen in meiner Welt.

Vor inzwischen einem Monat forderten Sozialverbände und Kinderärzt*innen die Politik zum Handeln auf. Und seit Monaten wird versprochen, dass sich um die Kinder und auch um die Eltern gekümmert wird. Bisher ist dabei herausgekommen: Nichts. Notbetreuung. Lippenbekenntnisse. Von 300 € „Sonderzahlung“ wurde gesprochen. Was soll ich mit 300 €? Dafür kann ich mir keine neuen Nerven kaufen. Genausowenig übrigens, wie man sich von 150 € einen Laptop kaufen kann.

Zwei Zettel, auf denen mit krakeliger Kinderschrift "Papa" und "Mama" steht.

Ja sorry, dass ich kein Auto geboren habe. Da würde ich jetzt Finanzspritzen, Konjunkturankurblungsversuche und ganz viel Beachtung von Politiker*innen hinterhergeschmissen bekommen. Schuldigung auch, dass Kinder keine Airline sind, die die Umwelt seit Jahrzehnten durch fehlende Ausgleichszahlungen bescheißt und jetzt gerettet werden muss mit Milliarden – ganz legal natürlich, Umwelt ist ja als Ressource quasi nicht bezifferbar und darum wird da auch nicht bezahlt für. Duh. Kinder sind ja nur die langweiligen Steuerzahlenden von morgen, blabla, das Argument haben die Kinderlosen schon so oft gehört, es wird einfach nicht geiler, wenn ich es wiederhole. Es verliert aber auch nicht an Relevanz.

Aber ich schweife ab, wir wollen ja konstruktiv bleiben. Vorbildliche Eltern sozusagen.

Der neue Riss durch die Gesellschaft

Also stelle ich nüchtern fest: Ein Riss, der schon seit langem durch die Gesellschaft geht, und der von vielen der Einfachheit halber ignoriert wurde, ist jetzt unübersehbar geworden: zwischen Eltern und Kinderlosen.

Wenn Wigald Boning versteht, was jetzt getan werden muss, aber die Kanzlerin nicht. Wenn der Profifußball für einige wichtiger ist als eine zumindest zeitweise geregelte Betreuung für kleine Kinder. Wenn der Gender-Rollback läuft und läuft, nur nicht für alle gleichermaßen. Wenn sich manche Gedanken machen können, welches ausgefallene Brotrezept sie als nächstes ausprobieren oder welchen tollen Corona-Skill sie als nächstes lernen oder welches Workout sie am effektivsten zu Hause schaffen können – und andere unter der Dusche zusammenbrechen, weil sie ihr Kind lieben, aber einfach nicht mehr rund um die Uhr ertragen, weil sie gute Eltern sein wollen, aber nicht mehr wissen, wie das gehen soll, weil den letzten Rest an Geduld verbraucht haben und sie trotzdem ruhig und besonnen handeln müssen, wenn ihr Kind durch eine Trotzphase geht, die nun einmal dazugehören zum Kindsein.

Wir Eltern können nur so gut sein, wie wir Unterstützung haben: Bedingungslose Akzeptanz, radikale Hilfe, kreative Angebote. Von alledem ist gesellschaftlich nichts zu sehen. Das ist eine Schande und eine Tragödie. Und es darf nicht so bleiben. Denn die Reserven sind bei zu vielen schon lange aufgezehrt.

Darum appelliere ich an die Politik, aber auch jede einzelne Person: Tut endlich etwas! Schaut nicht weg, solidarisiert euch. Unterstützt die, die schon zu lange keine Kraft mehr haben, aufzubegehren. Seid kreativ, seid hilfsbereit, zeigt Akzeptanz. Denn wir sind am Ende unserer Kräfte angekommen.


Nachtrag, 28.05.2020:

Ich habe jetzt einige Male gelesen, ich solle mich nicht anstellen. Manche schreiben das als Helden-Elternteil, das sich ganz aufgibt für das Kind und sich in die Situation so positiv einfügt wie möglich. Wenn das deine Vorstellung eines erfüllten Lebens ist, dann ist das ja schön, aber diesen Lebensentwurf allen Eltern aufoktroyieren? Also bitte. Da war unsere Großelterngeneration ja weiter.

Andere möchten mir das Recht absprechen, mich für ein Kind entschieden zu haben. Ach, Jon Snow, you know nothing. Nichts über mich, über meine Situation, meine Partnerschaft. Es sei gesagt: Ich habe mir diese lebensverändernde Entscheidung sicher nicht leicht gemacht, was unter anderem Sichtbar ist anhand des Fakts, dass ich über 30 Jahre gewartet habe. Kommentare wie „dann hättest du halt kein Kind kriegen sollen“ disqualifizieren sich meiner Ansicht nach ohnehin selbst, denn was bitte ist die Alternative? Dass staatliche Stellen ab jetzt entscheiden, wer Kinder kriegen darf und wer nicht wertvoll, stabil oder wohlhabend genug dafür ist? Oder doch lieber dahergelaufene Kommentator*innen in Blogs? Derartige Argumentationsmuster lassen keine sinnvolle Diskussion zu und dienen nur der Herabwürdigung meiner Person und anderer Eltern.

Diskursiv vorgebildete Personen würden sich auch nicht in Täter-Opfer-Umkehr verheddern und mir die Schuld dafür geben, dass es mir (wie vielen anderen) mit der Situation schlecht geht. Positives Denken bringt nur so lange weiter, so lange es sich nicht vollständig von der Realität entkoppelt.

"this is fine" meme

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55 Kommentare

  1. Danke! Aus ganzem Herzen.
    Ich bin mit unserem vierjährigen Kind (wegen einem Unfall vor Corona) seit Anfang Februar schon zu Hause, betreue, arbeite und befinde mich gefühlt mitten in einem Burnout. Keine Ahnung, wie ich es schaffe weitgehend weiterzufunktionieren. Selbst wenn die Kita wieder aufmacht kommt sie nicht in Frage, weil ich zur Risikogruppe gehöre. Mein Partner darf nicht im Homeoffice arbeiten. Wir sind gefühlt vergessen von der Welt. Wenn ich den Mund aufmache fühle ich mich schlecht und bin in Erklärungsnot. Ich weiß nur auch nicht, wie ich alles verändern kann. Für eine Revolution bin ich zu erschöpft – wahrscheinlich setzt die Politik genau darauf.
    Ich teil das mal auch auf Twitter, ja? Oder hast du da einen Account?

    • TQ

      26. Mai 2020 — 13:15

      Ja, klar kannst du den Artikel teilen.
      Ich bin ehrlich gesagt entsetzt, dass bisher ausnahmslos alle (!) Eltern, mit denen ich virtuell oder im RL auf 2m Distanz gesprochen habe gesagt haben, sie sind schon lange am Ende. Niemand sagt, dass das schaffbar ist oder zumutbar. Aber alle sind einfach komplett überarbeitet, paralysiert von Angst um den Job, dem Versuch, dem Kind gegenüber alles richtig zu machen und dazu noch niemanden anzustecken. Es tut weh, es ist schrecklich, und es reicht einfach. Es reicht. Ich will nicht pessimistisch sein, aber Zweckoptimismus hat uns erst in diese Lage gebracht. Wenn wir weiter brav still sind, wird das niemand mitbekommen, und es wird nach der Krise noch eine Schippe draufkommen.
      Das darf nicht passieren. Und ganz ehrlich, wir alle halten das doch schon lange nicht mehr aus…

      • Hallo und vielen Dank für deinen Artikel. Ich bin wohl eine von den anderen Müttern, denen, die gut mit den Umständen klar kommen. Und nicht nur das, ich bin wirklich glücklich und finde, dass es für uns als ganze Familie eine bereichernde Zeit war und ist.
        Du schreibst, dass „ausnahmslos alle Eltern am Ende sind“. Deshalb ist mir wichtig, hier eine andere Sichtweise beizutragen. Vielleicht trauen sich dann auch andere Eltern, denen es so geht, das offen zu sagen. Ich finde es wichtig, auf Missstände hinzuweisen und gehe bei den Forderungen an die Politik mit. Trotzdem ist mir eine Vielfalt an Perspektiven wichtig.
        Mehr zu den Gründen, warum ich „Danke, Corona“ sage, teile ich auf meinem Blog.
        Liebe Grüße
        Marita von Patchwork auf Augenhöhe

        • TQ

          26. Mai 2020 — 19:36

          Hello Marita,
          ich habe gerade meinen Artikel durchsucht und finde das von dir genannte Zitat leider nicht. Das habe ich so nicht geschrieben und hätte ich so auch nie gemeint. Ich schrieb etwas von allen Eltern, mit denen ich Kontakt hatte, und genau so meinte ich es auch.
          Ich finde es schade, wenn bei so wichtigen Themen, die viel mit Privilegien, Marginalisierung, persönlichen Ressourcen und systematischer Diskriminierung zu tun haben so sanft-relativierende Stimmen sich laut machen und Raum einfordern. Wie gesagt schrieb ich nirgends, dass es nicht auch Fälle wie dich geben kann. Offensichtlich existierst du ja. Aber mal anders gefragt, was glaubst du, was sind die Gründe – oder besser Privilegien, die es dir ermöglichen, so locker-flockig über das offenkundige Leiden vieler hier hinwegzuwinken, kommt alle in mein Blog, da schreibe ich, wieso ich das so viel besser wuppe?

          • Huch, Deine Entgegnung find ich aber überraschend unsympathisch. Marita hat doch ganz freundlich Ihre Sicht der Dinge geteilt. Sie empfindet es nicht als Belastung, ist doch okay, dass sie ihre Perspektive beisteuert, oder? Zu Deinem nicht gefundenen Zitat, das steht etwas weiter oben in einem Deiner Kommentare: „Niemand sagt, dass das schaffbar ist oder zumutbar. Aber alle sind einfach komplett überarbeitet…“ Wirklich? „Niemand“ sieht es anders als Du und „Alle“ sind Deiner Meinung? Ich denke, du hast Dich hier etwas vergalloppiert. LG, ein Vater.

          • TQ

            26. Mai 2020 — 20:27

            Klar kannst du das so verallgemeinern, wenn du den Satz davor einfach ausblendest. Wie unsympathisch von dir. Hätte ich ja so nicht gedacht.
            „dass bisher ausnahmslos alle (!) Eltern, mit denen ich virtuell oder im RL auf 2m Distanz gesprochen habe…“

            Wirklich unsympathisch, dazu unsouverän vom hohen Ross herab.

          • Nun, ich will nicht widersprechen, dass es viele Probleme im Moment gibt. Ja, diese andauernde Ausnahmesituation hat auch nicht für alle Betroffenen die gleiche Intensität der Folgen.
            Allerdings scheint mir doch auch eines zu fehlen, wenn heute Eltern mit ihrem Nachwuchs umgehen. Man kann es auch aus Deinen Zeilen herauslesen. Du zeichnest mit Deiner Metapher des Weckers, welcher alle 15min klingelt, ein Bild, in welchem die Kinder alle 15min unsere Aufmerksamkeit bedürfen.
            Anscheinend schaffen es viele Eltern nicht, ihren Kindern beizubringen, sich selbst zu beschäftigen. Viele knechten sich lieber als eine Zeit lang das Quengeln ihrer Kinder zu ertragen. Dabei ist Langeweile auch einmal etwas sehr Wichtiges, das Kinder empfinden müssen! Langeweile schafft Kreativität und Kreativität schafft Beschäftigung. Kinder können sich sehr gut für lange Zeit beschäftigen und man muss ihnen auch einmal beibringen können, dass sie in bestimmten Situationen nicht zu stören haben.
            Dein Kind ist 4 1/2. In dem Alter versteht man schon solche Ansagen und man kann in dem Alter auch lange Malen, mit der Holzeisenbahn spielen und Hörbuch hören.
            Und außerdem… Du und Dein Partner, Ihr habt EIN Kind und Ihr bekommt das nicht gewuppt?
            Ich verstehe wirklich nicht, warum man überhaupt ein Kind bekommt, wenn man von einer „knappen Entscheidung“ spricht… entweder man will ein Kind oder man lässt es. Eine „knappe Entscheidung“ sollte das von vornherein nicht sein. Sowas gibt es bei Wahlen oder Fußballspielen… nicht bei einer Entscheidung für ein Leben.
            Deine Unzufriedenheit scheint mir eher schon vor Corona bestanden zu haben.

          • TQ

            26. Mai 2020 — 20:46

            Ah, ich habe nur darauf gewartet, dass du vorbeikommst! Danke für deinen Kommentar! Magst du mir bitte sagen, wie ich mein Leben richtig lebe, da du so viel über mich weißt? GLaubst wirklich, ich hätte mir meine Entscheidung leicht gemacht. Witzbold.

            Und du weißt nichts darüber, wie ich mit meinem Kind umgehe. Aber hey, klar, Meinung kostet nichts.

            Ja, Sherlock, meine Unzufriedenheit bestand schon vor Corona. Schon vor Corona gab es eine Schieflage, waren Eltern, insbesondere Mütter, zu mehr Kompromissen gezwungen, die Kinderlose mit Schulterzucken bedachten.

            Nun aber genug Aufmerksamkeit für dich, ich muss ein Brot buttern gehen!

        • Liebe Marita,
          Ich danke dir für deinen Beitrag-in meinem Umfeld(ich arbeite auch noch als Erzieherin/Leitung)nehme ich die Eltern auch überwiegend so wahr , wie du es beschreibst. Sie haben viel aus dieser Zeit mitgenommen,trotz Homeoffice,mehreren Kindern und sicherlich auch schwierigen Momenten. Ich habe den Artikel auch eher generalisierend verstanden und finde wichtig das du da widersprichst, dass kann ich hiermit bestätigen. Liebe Grüße Doreen

          • Oh ja, wir haben eine Menge mitgenommen, darunter Angst um das körperliche und seelische Wohlergehen unserer Kinder, unserer Angehörigen umd Freunde. Hat mich bereichert. Muss ich schon sagen.

            Schön, wenn bei euch alles Sonnenschein ist. Klar geht es manchen Menschen besser als anderen – das wurde schon thematisiert – und anderen offenbar noch besser. Dann merkt hier bitte, dass viele die Situation nicht so dufte finden und Hilfe brauchen. Hilfe! Und keine Relativierungen. Helft, wenn ihr könnt.

          • Jana Kerbitz

            27. Mai 2020 — 9:22

            So.
            Hier mal die andere Meinung einer priviligierten Mami:
            Ja, mir fällt es leicht, da ich wegen Krankschreibung nicht arbeiten muss und mir wehen dieser keine (grosse) Sorgen um unsere Existenz machen muss. Ja, ich kann sogar meistens ausschlafen und trotzdem, trotzdem kann ich die Beschwerden und Klagen der Mehrfachbelasteten als berechtigt stehen lassen. Warum sollten sie sich sonst dem medialen und virtuellen Kämpfen ausliefern, die eine derartig nicht gesellschaftskonforme Klage unweigerlich nach sich zieht?

  2. Es deckt sich zu 100% mit dem, was wir erleben. Eltern (größtenteils) am Ende, Singles (größtenteils) gelangweilt. Eine der ersten und größten Maßnahmen gegen die Pandemie war die Schließung von Kitas und Schulen. Sie war und ist (vermutlich) sinnvoll und hat (vermutlich) Vorteile für die gesamte Gesellschaft gebracht. Von verlangsamter Ausbreitung profitieren alle. Auf dem Rücken der Eltern, die die fehlende Betreuung zusätzlich schultern.

    • TQ

      26. Mai 2020 — 17:58

      Es gibt keine einfachen Lösungen, zumindest keine seriösen. Und wir sehen ja durchaus die Kompromiss- und Leidensbereitschaft der Eltern – immerhin sind die meisten mit ihren Kindern auf Distanz gegangen ohne viel Murren. Aber so langsam wünsche ich mir doch kreative Ideen, rollierende Systeme, wenigstens minimale Entlastungen. Oder, dass mal ernsthaft debattiert wird, statt dass immer mal eine leise Elternstimme sich erhebt, ein bisschen schluchzt – und dann ignoriert wird! Das geht so nicht weiter.

      • Hallo,
        ich empfinde wie du!!! Ich habe drei Kinder Zuhause. Einen tollen Jungen 6,5 Jahre , ein Zauberhaftes Mädchen 4 Jahre und eine Lebensfrohes Baby9 Monate. Diesen Abstand haben wir bewusste gewählt. Denn ab 3 kommt man in den Kindergarten und hat so Entlastung. Doch die Regierung (nicht Corona) hat mir diese Entlastung genommen. Einfach so. Ohne mir das vor einer Entscheidung für Kinder mitzuteilen!!!
        Und Corona kam nicht plötzlich! Aber über das sinnvolle daran diskutieren wir hier nicht und ist auch sinnlos.
        Ich liebe meine Kinder. Das steht nicht zur Debatte. Möchte ich jetzt meine Kinder missen? Nein!!! Aber, hört uns doch bitte wenn wir nicht mehr können. Hilft uns doch bitte statt uns noch mehr zu kritisieren. Das hat keine Mutter verdient. Und es kann ein Kind reichen um an unsere Grenzen zu kommen. Ich habe hier einen Jungen Zuhause der soziale und emotionale Schwächen hat. Das bedeutet für mich dass ich erzieherisch meine ganze Energie aufwenden muss. Er ist wundervoll, aber anstrengend! Dazu kommt ein Baby das heult weil es schmerzen hat wegen den Zähnen die genau in der Zeit ausbrechen und das tags und nachts gestillt werden muss weil es nicht genug feste Nahrung isst weil sie es einfach nicht mag. (Verstörend dass ich mich hierzu gleich rechtfertige). Dazu noch die wundervolle 4 jährige Tochter die quasi alles alleine meistert weil Mama keine richtige Zeit mehr für sie findet, die aber eigentlich auch mal die Aufmerksamkeit brauch. Und liebe Eltern denen es gut geht weil sie, wie ich mit meiner 4 jährigen Tochter, Kinder zuhause hat die ganz pflegeleicht sind. Ja! Das kann wundervoll einfach sein. Und es freut mich für euch sehr! In den ersten vier Wochen erfreute ich mich auch an der gezwungenen Situation, es schien uns allen gut zu tun. Aber diese Stimmen müssen sich ja auch nicht erheben. Diese Stimmen können denen Familien helfen die es nicht so einfach haben. Man wächst mit seinen Aufgaben. Ich kann mittlerweile viel aushalten. (Beleidigungen, und Tritte, Bisse und Kratzer von meinem Kind). Aber ist das die Lösung? Seit zehn Wochen durfte dieser nämlich auch nicht mehr seine Therapie in Anspruch nehmen!!! Und das obwohl es ja auch bald in die Schule soll! Und nein. Ich habe mein Kind nicht vermurkst oder ihn ein falsches Verhalten antrainiert. Und wenn jemand denkt, dass er es vielleicht besser als ein Therapeut oder Erzieher/innen weiß, ich bin dankbar über jede Hilfe!!! Aber dann doch bitte persönlich. Denn theoretisch kann ich auch viel dazu sagen.
        Und ja. Es gibt garantiert andere Maßnahmen die man hätte machen können. Rollierende Systeme? Klar, ich bin dankbar über jede Stunde. Aber jetzt mal ehrlich. Jede Familie darf sich wieder mit anderen Familien treffen. Aber in der Grundschule und im Kindergarten müssen die Kinder Abstand halten und nur in ihren Gruppen sein? Wir haben privat Kontakt mit Kindern aus vier verschiedenen Gruppen! Mein Kind, privat darfst du dich mit deiner Freundin treffen. Aber im Kindergarten darfst du ihr nur zu winken und kein Kontakt haben. Ist logisch oder? Im Kindergarten und in der Grundschule macht das keinen Sinn mehr da über Ecken alle Kinder sowieso wieder Kontakt haben. (Vielleicht liest diese Logik auch Frau Eisenmann) und hätte man nicht nach den ersten fünf Wochen nicht als allererstes die Kindergärten und Grundschulen zumindest für 50% wieder öffnen können? Liebe Wissenschaftler, ihr hättet viel Zeit gespart und nach drei Wochen gleich ein Ergebnis bekommen ob Kinder genauso ansteckend sind. Aber hier zählt drei Wochen Wirtschaft mehr als Familien. Ich schweife an und das führt zu falschen Diskussionen. Sollen nur Anregungen sein für welche die das sagen in der Regierung haben 😅
        Zurück zum Thema. Wir schreien hier nicht um Hilfe weil wir unsere Kinder nicht mehr lieben und sie loswerden wollen. Wir schreien um Hilfe weil unsere Psyche das nicht mehr mitmachen kann. Normalerweise würde man sich jetzt krankschreiben lassen oder sich in eine Therapie begeben. Aber leider gibt es in unserem Job keinen Urlaub mehr. Die Pause wurde auch gestrichen. Und Zeit für dich gibt es nicht. Ich möchte nur mal anmerken dass wir auch an Wochenenden Kinder haben. Somit gibt es hier nicht einen Tag Pause. Und ich schreibe das gerade in der Zeit in dem mein Mann sich jetzt um die Kinder kümmert damit ich etwas Kraft für die Woche schöpfen kann. Eine Zeit für die Partnerschaft gibt Rabin denen Zeiten nicht.
        Entschuldigt wenn ich öfters mal abgeschweift bin. Zu viele Gedanken im Kopf. Aber bitte denkt nochmal an den Kern. Wir rufen um Hilfe weil wir sie brauchen. Ohne Diskussion warum, wieso, weshalb! Bitte, denen den es gut geht, bietet sie uns an oder versucht uns zu helfen!!!
        Mit lieben Grüßen,
        Jessica

  3. Wow, danke für den Text. Ich war 6 Wochen zu Hause und jetzt ist unser Sohn in der Notbetreuung. Ich bin so unsagbar wütend, wie mit den Eltern und Kindern umgegangen wird. Ich habe unsere Landtagsabgeordneten angeschrieben, aber da kommt nur Blabla zurück. Wenn ich gewusst hätte, was den Eltern so zugemutet wird und man schön die Fresse halten soll, dann hätte ich 2015 auch eine andere Entscheidung getroffen.

    • TQ

      26. Mai 2020 — 18:00

      Ich bin auch wütend. Und ehrlich irritiert. Ich habe doch aus der Politik damals deutlich die Botschaft gehört, wir sollten bitte Kinder kriegen, Rente undsoweiter, es würde sich dann schon gekümmert, auch um uns Mütter, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Irgendwie ist davon mittlerweile nichts mehr zu spüren. Und das gesellschaftliche Klima ist auch nicht gerade optimal, um es mal vorsichtig zu sagen.

  4. Ich weiß gar nicht, was Ihr alle habt, meine kinderlose Single-Schwester hat mir erklärt, dass ihre Situation im home office mit zwei Katzen genau so stressig ist wie meine mit einer 5jährigen, die beschult werden muss (wie leben nicht in Deutschland) und zwar zusätzlich zum Vollzeitjob und von 8-18h ohne meinen Mann, weil der systemrelevant ist und nicht von zu Hause aus arbeiten kann… Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, und habe dann geweint.

    Dieser Artikel spricht mir aus der Seele, ich weiß allerdings leider nicht, wie Eltern sich am besten über Parteigrenzen hinweg solidarisieren könnten.

    • TQ

      26. Mai 2020 — 18:23

      Haha, ja. So sehr. Ich erinnere mich, dass ich das auch mal hören durfte, dass einen Hund haben ja eigentlich überhaupt nicht anders wäre als ein Kind haben, ich solle mich mal nicht so anstellen und für was besonderes halten. Janeeklar.

    • Oh je… Ich musste gerade etwas schmunzeln als ich das gelesen habe. Habe nämlich auch eine Single-Schwester, die das alles auch nicht so nachvollziehen kann glaube ich. Aber immerhin verkneift sie sich mir gegenüber die Kommentare. (Habe 3 Jungs, bin aber momentan noch in Elternzeit.)
      Leider ist es so, wie im Artikel beschrieben: die Solidarität zwischen Kinderlosen und Eltern, aber auch zB zwischen arbeitenden Müttern und Müttern in Elternzeit fehlt. Das war schon vorher so, aber kommt jetzt deutlicher zum Vorschein. Und das finde ich fast schlimmer als den ganzen Rest…

  5. Danke! Du hast besser als ich es könnte in Worte gefasst, wie unser Leben gerade ist. Zum Kotzen. Wortwörtlich. Vor Stress, Wut oder Erschöpfung. Es geht an die Substanz und wenn jetzt hier ab nächster Woche das kleine Kind wohl wieder in die Kita darf, nützt uns das fast nichts, da das große sagenhafte 4 Stunden Schule pro WOCHE hat. Mittwoch und Freitag jeweils von 8:30-10:30. Und das wird nach den Sommerferien wohl noch weiter so gehen. Ich kann nicht mehr…

  6. Ein wunderbar erleichternder, aber auch gleichermaßen erschreckender Artikel.

    Es tut so unendlich gut zu lesen, dass es anderen Eltern ähnlich geht, auch wenn geteiltes Leid leider nicht gleichbedeutend ist mit halben Leid. Es beruhigt, dass man nicht der einzige schlechte Mensch ist – denn so langsam komme ich mir schon so vor.

    Ich traue mich nicht mehr meine Erschöpfung mitzuteilen…eben weil ich als brave Bürgerin weiß, dass es anderen doch soviel schlechter geht.

    Immerhin darf ich im Homeoffice arbeiten um meine beiden Neunjährigen zu betreuen. Ich muss mir daher keine finanziellen Sorgen machen. Dazu sind meine Kinder keine Kindergartenkinder mehr. Einer in der 2. D
    Der andere in der 3. Klasse. Sie dürfen bald beide wieder zur Schule gehen…ab und zu. Stundenweise. Eltern mit Kindergartenkindern scheinen noch weit entfernt von so einem „Luxus“. Ich muss dankbar sein für dieses Glück.

    Doch warum bin ich so undankbar? Ärgere mich über die Politik. Sie vergessen uns einfach. Loben sich selbst, weil sie den Ausgleich von 67% Ausgleich für den Verdienstausfall von Eltern, die nicht mein „Glück“ haben, von 6 auf 10 Wochen erhöht haben.

    Dafür gibt es nicht zu feiern. 67% sind eine Frechheit. Diese 67% kostet sicherlich vielen Familien die Existenz. Es sollte eine Selbstverständlichkeit in unserem Sozialsystem sein genau den Eltern, die jetzt nicht arbeiten dürfen, finanziell unter die Arme zu greifen.

    Ich denke auch ein schlechter Mensch zu sein, weil ich neidisch bin. Neidisch auf die Kollegen und Bekannten, die mir von ihrer Langeweile berichten. Einige von denen sogar in Kurzarbeit mit 100% Ausgleich.

    Ich könnte heulen, weil ich mir gerade nichts sehnlicher Wünsche, als meine Ruhe zu haben. Ich möchte auch diese „Zeit der Besinnung“ wie viele es nennen nutzen, um Bücher zu lesen, Serien zu gucken, Spazieren zu gehen… mich zu langweilen.

    Der Alltag sieht eher so aus, dass ich die Kinder so lange wie möglich schlafen lasse, um möglichst lange in Ruhe arbeiten zu können. So tue als würden sie noch schlafen, obwohl ich weiß, dass sie schon längst die Glotze angeschmissen haben.

    Die Gewissheit eine schlechte Mutter zu sein, weil meine Kinder es am Tag so manches Mal auf 4, 5 oder sogar nochmehr Stunden Zockzeit gebracht haben, nur, damit ich meine Arbeit im Homeoffice, vielleicht doch noch ein bisschen besser machen kann als im Büro. Ich möchte ja nicht, dass meine Bosse denken könnten, dass ich mich ausruhen.

    Homeschooling…für mich das Unwort des Jahres 2020….zumindest eines davon.

    Anderthalb Stunden für meinen Zweitklässler und 2 Zeitgründen für meinen Drittklässler sollen es sein. So wünscht es sich die Schule. So legt es das Kultusministerium fest.

    Mittwochs früh, von 7-13 Uhr müssen die Aufgabenmappen aus der Schule persönlich abgeholt werden. Montags von 7-10 wieder abgegeben werden.

    Wer es in dieser Zeit nicht schafft, muss eben Fahrgemeinschaften bilden und sich mit anderen Eltern zusammentun.

    Kritik an der Schule darf man nicht äußern. Das mögen Lehrer, Schulleiter und auch die etwas „besonderen WhatsApp-Klassenchat-Über-Eltern“, die meist auch Elternvertreter und natürlich IMMER mit Schule einer Meinung sind, so gar nicht.

    Unterschwellige Vorwürfe gehören dazu…schließlich könnte man sich Hilfe holen, man muss ja verstehen, dass die Lehrer in dieser besonderen Situation völlig überlastet sind, ich soll etwas Verständnis zeigen, nein – die Zeiten zur Abholung oder zum Bringen der Materialien können nicht verlängert werden – Onlineübermuttlung geht schonmal gar nicht- dass müsse ich doch verstehen. Natürlich muss ein Zweitklässler 9 Seiten in anderthalb Stunden bewältigen können. Jeden Tag. Natürlich selbständig. Die Eltern sollen die Kinder nicht beschullen, NUR unterstützen.

    Einen Scheiß muss ich…NEIN…ich habe KEIN Verständnis. Denn natürlich möchte ich, dass mein Kind diese Aufgaben erledigt. Denn wenn er es nicht schafft, zeigt es doch, wie dumm mein Kind ist, wie wenig ich es im Griff habe und wie unfähig ich als Mutter bin, dass diese Selbstständigkeit und Disziplin bisher nicht vorhanden ist.

    Also werden diese täglichen 9 Seiten durchgezogen….Stunde um Stunde – Tag für Tag.

    Mit Tränen, Wut, Verzweiflung und Resignation- auf beiden Seiten. Mit der Vorfreude auf das Wochenende, einen Feiertag oder die verdammten Sommerferien – auch wenn diese scheinbar auch unter Auflagen „genossen“ werden können.

    Aber was solls…ich bin eine brave Bürgerin… ich vermittel meinen Kindern stillschweigend, was wir zu tun und zu lassen haben, dass wir es für unsere Oma machen, die mit im Haus lebt und geschützt werden muss. Das wir tuneas wir sollen, eben weil es uns gesagt wird…und ich verfickt nochmal froh sein kann, dass ich Zuhause arbeiten darf um meine Kinder zu betreuen.

    • TQ

      26. Mai 2020 — 19:48

      Oh wow. Ich bin ganz sprachlos… Danke für deine Worte.
      Ich kann vieles von dem, was du schreibst, nachvollziehen. Den Neid auf die Langeweile der anderen, das Gefühl, ein schlechtes Elternteil zu sein, immer alles schaffen zu müssen, sich nicht beklagen zu dürfen, weil andere es ja schwerer haben… Ja. Und ich frage mich echt, wie kommt es, dass wir das so hinnehmen? Wieso darf man sich jetzt nicht mehr beklagen, so lange es jemanden gibt, di*er es irgendwie schlechter hat? Dann darf sich genau ein Mensch auf der Welt beklagen – was ist denn das für eine absurde Denke, auf die wir da alle reinfallen?
      Es ist doch wichtig, systemimmanente Ungleichgewichte und Benachteiligungen aufzuzeigen! Dafür müssen wir doch nicht vollständig am Arsch sein, und ich meine – selbst davon wären viele nicht mehr weit entfernt. Nachdem ich mich lange in mich zurückgezogen habe und mir für alles selbst die Schuld aufgeladen habe, habe ich beschlossen, dass ich das nicht mehr will. Ich werde selbstverständlich nicht auf eie dieser von rechten vereinnahmten Demonstrationen voller Verschwörungsgläubiger gehen. Ich will aber auch nicht mehr still sein. Meine Situation, unsere Situation, ist auf Dauer nicht tragbar, und wir haben die Füße lange genug still gehalten. Bei uns ist einfach nichts mehr zu holen.

    • Yvonne Hinspeter

      27. Mai 2020 — 9:23

      Oh krass. Du sprichst mir aus dem Herzen! Ich habe auch das Gefühl, dass man seine Sorgen und Ängste am Liebsten nicht mitteilen soll. Es sind aber leider nicht nur Singles, die sich tatsächlich nicht vorstellen können, wie es ist, Eltern zu sein, sondern auch andere Eltern, die meinen über alles und jeden urteilen zu können… In einem Eltern – Klassenchat bin ich letztens einer Mutter zur Seite gesprungen, weil sie angegangen wurde, da sie „nur“ ein Kind hat. Schließlich hätten andere Eltern noch mehr Kinder und würden das wuppen. Die Mama hat geschrieben, dass sie einfach nicht mehr kann und das Homeschooling aufgibt. Ich fand das sehr mutig und habe das auch so mitgeteilt. Abgesehen davon sollte man doch nicht über andere urteilen, wenn man nicht weiß, welches Päckchen derjenige zu tragen hat…
      Ich wünsche mir da einfach, dass sich Eltern gegenseitig unterstützen und helfen.

      Wir brauchen uns Gott sei Dank auch nicht um unsere finanzielle Situation Sorgen machen. Mein Mann geht arbeiten und ich kümmere mich um die Kinder (3 und 9 J.). Wobei es sich nicht wirklich um“kümmern“ handelt. Im April habe ich mir das Sprunggelenk gebrochen und war erstmal 15 Tage im Krankenhaus. Das war sehr schwer für uns alle, da wir uns wegen dem Besuchsverbot nicht sehen durften. Videotelefonie ersetzt das irgendwie nicht. Seitdem bin ich zu Hause tagsüber allein mit den Kindern. Arzttermine habe ich so gelegt, dass mein Mann mich fahren kann. Die Physiotherapie kommt zu mir. Seit letzter Woche darf mein Dreijähriger endlich wieder in die Kita. Ich habe für ihn einen Platz in der Notbetreuung bekommen. Allerdings darf ich ihn nur hinbringen, wenn ich Arzttermine oder Physiotherapie habe und nur von 8 bis 11.30 Uhr. Das ist dann auch wieder schwer zu koordinieren, da ich ihn nicht selbst bringen kann. Habe noch Gips und kann nur auf Krücken laufen… Aber ich bin froh, dass er wenigstens Kontakt zu seinen Freunden haben darf. Eine Freundin und meine Nachbarin unterstützen mich und bringen bzw holen ihn ab.
      Der Große darf eigentlich seit gestern zumindest Dienstag und Donnerstags in die Schule. Aber leider hat er nun einen Schnupfen… 🙈 Jetzt machen wir also wieder Homeschooling… Das bringt uns auch um den Verstand. Wir geraten ständig aneinander. Aufgaben bekommen wir zwar online, aber hier wurde nichts kontrolliert von der Schule. Die Lösungen bekommen wir Eltern zum Kontrollieren…. Es gab in der ganzen Zeit keinen einzigen Anruf von der Schule. Der einzige Kontakt bestand per Email. Ich finde diese ganze Situation echt schwierig. Die Kinder brauchen dringend ein Feedback. Von der Schule kommt aber so gut wie nichts….
      Abgesehen davon, habe ich so kaum Zeit, um mich zu erholen und auszuruhen, wie ich es nach so einem Bruch und zweifacher OP tun sollte… Aber hey, ich kann ja jetzt endlich meine Kinder kennen lernen, so wie es sich letztens ein Politiker gewünscht hat!

  7. O mein Gott, das ist wirklich so traurig, deine Schilderungen treffen aber den Nagel auf den Kopf für Eltern mit kleinen Kindern unter 12 Jahren und sollten so weit wie möglich Verbreitung finden.
    Ihr seid wirklich von staatlicher Hilfe alleine gelassen . Ich würde mit Freunden, guten Nach-barn, Verwandten… Betreuungsschichten planen , sodass a) die Kinder für einen Nachmittag/ Morgen einen anderen Ansprechpartner haben und
    b) ich eine Entlastung für wenigstens diese Zeit.
    Eine andere Idee habe ich auch nicht.
    Wie steht da Widerstand 2020 dazu?
    Vielleicht wären die ein Sprachrohr für diese Zustände…denn Viren werden uns unser Leben lang (und haben sie auch schon immer) begleiten.
    Dieser gesellschaftliche Zustand aber hoffentlich nicht.
    Eine mitfühlende Mutter, der ihr Job schon reicht…

    • TQ

      26. Mai 2020 — 19:53

      Die Lage der Eltern ist todernst. Zu ernst für eine rechte Verschwörungs- und Protest“partei“. Und Rechten würde ich meine Agenda niemals zum Fraß vorwerfen! Das hieße, das Kinde mit dem Bade ausschütten, und zwar in ein Haifischbecken.
      Nein danke.

  8. Du schreibst von einem Leben, dass du so nie wolltest. Corona wollte aber auch niemand, selbst die Regierung nicht. Mich würde interessieren, welchen Vorschlag du hast, wie die Regierung es besser machen kann.

    Ich kann die Lage von Eltern, die im HomeOffice arbeiten und nebenher auch ihre Kinder betreuen schon verstehen. Aber man kann nicht nur kritisieren, was schlecht läuft sondern darf gerne auch mal Vorschläge machen, wie es besser laufen könnte.

    • TQ

      26. Mai 2020 — 21:34

      Zunächst geht es mir hier ums Suchtbarmachen, das finde ich ist ein legitime und wichtiger erster Schritt. Das kann und darf man durchaus machen. Ich muss nicht das Klimaproblem lösen, um darauf hinweisen zu dürfen.
      Aber grundsätzlich gebe ich dir Recht, ich mag konstruktive Ansätze. Daher schrieb ich auch bereits etwas zu Möglichkeiten, in deren Richtung man denken könne, in den Kommentaren. Zum Beispiel ein rollierendes System in Kleingruppen. Wurde schon diskutiert in der Politik, aber zumindest bei uns null umgesetzt.

      • Danke, danke. Wir „wuppen das“ jetzt seit 14.3. Und K 2 wird nach aktuellem Stand ab 23.6. Wieder in wöchentlichen Wechsel in die Schule dürfen. K 2 ist 13 , geistig behindert, körperlich fit, lustig und die ganzen Wochen vermisst sie ihre Lehrer*innen und Freund*innen unendlich. Wir „wuppen das“ im Schichtbetrieb seit 14.3., vormittags macht mein Mann mit ihr Arbeitsblätter, um 13 h fährt er in die Arbeit und arbeitet bis 21 h, ist um 22 h zuhause. Ich fahre um 7 in die Arbeit und komme um 15 h, die Zwischenzeit „wuppt“ der 15 jährige große Bruder (K 1 also). Ich kann mir nicht vorstellen, wie es vor ein paar Jahren gewesen wäre, als K 1 auch Unterstützung bei der Schule benötigt hätte. Und wisst ihr, die ganzen Wochen wird diskutiert: Wirtschaft! Urlaub! Gastronomie! Abiturienten! Karriere! Schulen? Ja, am x. Die Abschlussklassen, am y. Die Vorabschlussklassen, dann diese und jene Jahrgänge, der Kultusminister steht da und leiert die Schularten runter. Sagt er das Wort Förderschulen? Nein. Er schickt Elternbriefe, 5seitiges Gelaber, wie toll wir Eltern das machen aber dass man nix weiß. Im letzten, jetzt Mitte Mai, nach 2 Monaten, taucht mal in einem Nebensatz „ganz besonders die Eltern behinderter Kinder “ auf. Da hat ihm jemand gesagt dass er dir auch mal nennen soll.
        Und dann stehen Anzugträger im Fernsehen und lobbyieren für diesen und jenen Wirtschaftszweig, da finden allen Ernstes „Autogipfel“ statt. Ich möchte kotzen.
        Es gibt doch professionelle Lobbymacher. Können wir nicht so jemanden crowdfunden?

  9. Super Artikel!!! Ich klatsche laut Beifall und bedanke mich für diese ehrlichen und offenen Worte!!! Ich bin Mutter von zwei Kindern und obendrauf noch Erzieherin und seit Wochen in der Notgruppe tätig!!! Ich könnte täglich nur noch Regenbögen kotzen!!! Ich versuche positiv zu bleiben, aber es gelingt mir von Tag zu Tag weniger, denn mit jedem Tag wo ich mich mit diesen willkürlichen Maßnahmen rumschlagen muss, mit jeder Veränderung die alles noch konfuser macht, steigt meine Wut!!! Die Kitas öffnen, die Bundesliga spielt, Schwimmbäder öffnen, shoppen, essen gehen u.s.w., aber die Schulen bleiben streng runtergefahren. Das kotzt mich an und ich kann diese Regeln meinem Kind nicht mehr erklären und ich kann mein Kind verstehen, dass es so kein Bock auf Schule hat!!! Bei allem Verständnis, auch wir haben uns an alles gehalten, ich halte täglich meinen eigenen Kopf hin und gefährde somit auch meine Familie, aber das was noch kommen wird, an Nachwehen dieser ganzen Geschichte, wird weitaus schlimmer sein, als das was gerade alle an den Rande der Verzweiflung und Hilflosigkeit führt!!!

    • Genau so! Hier mit vier Kindern, zwei Grundschüler, ein Kita Kind und ein Baby. Alle seit dem 13. März von wenigen Ausnahmen abgesehen zu Hause. Einkommen komplett weggebrochen, weil freiberuflichkeit. Dieser ganze Scheiss bringt Familien in existenzbedrohende Situationen. Aber Hauptsache, man kann bald wieder mit dem Flieder in dem Urlaub fliegen und schön Bundesliga gucken. Und die Risikogrupoen aalen sich am Strand an der Ostsee und genießen ihren Aperol Spritz. Zum kotzen das ganze und wir müssen laut laut laut werden, damit sich etwas ändert.

  10. Mal ganz ehrlich: Man kann sich das Leben auch schwer machen. Es ist alles eine Frage des Abwägens und meine körperliche und geistige Gesundheit sowie der meiner Kinder gehen vor. Ich bin alleinerziehend – also, komplett allein, 24/7 – und im Homeoffice mit einem KiGa-Kind und einem Grundschüler, der unterrichtet werden muss. Zum Glück ist er ein guter Schüler und braucht wenig Hilfe. Zum Glück gibt es in der Siedlung 2 Elternpaare, die ihre Gesundheit und die der Kinder ebenfalls über alles stellen und so spielten meine Kinder von Anfang an täglich (bei super Wetter) mit 4, manchmal 5, anderen Kindern draußen: auf der Straße, im Wald, am Weiher, überall, wo Kinder so spielen: endlos scheinende Ferien, Ruhe beim Arbeiten. Corona? Hatten wir schon. Halb so wild. Man muss sich das Leben nicht unnötig schwer machen (lassen).

    • TQ

      27. Mai 2020 — 5:10

      Stimmt. Man kann sich das Leben schwer machen, und man kann sich auch die Welt leicht machen. Ich freue mich für dich, dass du ein gutes Netzwerk mit anderen Eltern hast. Das haben wir nicht.
      Unsere Situation war so: Wir waren Ende Februar in Italien. Wir kamen nach Hause, und zwei Mitreisende wurden erst einmal krank. Grippeartige Symptome, Fieber, sowas. Auch das Kind. Wir begaben uns also direkt in Quarantäne, und wir hätten es unverantwortlich gefunden, uns anders zu verhalten. Zum Glück konnte eine Person der Gruppe, die Symptome hatte, nach einer Weile getestet werden, was damals nicht so einfach möglich war. Der Test fiel negativ aus, zum Glück.
      Danach waren wir aber sehr auf der Hut und wollten erst einmal kein Risiko eingehen, und das war die Zeit, in der der Lockdown am schärfsten war. Und durch unser ohnehin schwaches Netzwerk mit anderen Familien hier (wir sind noch nicht vor so langer Zeit hergezogen und von der Stadt ein wenig nach außerhalb), haben wir eben Kontakte gemieden, so gut es ging. Die Kontaktbeschränkungen fanden wir richtig und wichtig. Du hast das in deiner Situation anders gemacht, das ist dein Recht. Aber uns/mir vorzuhalten, dass wir uns das Leben schwer machten, da finde ich, du machst es dir zu einfach.

      • Zum vorherigen Kommentar: Eltern, die es hinkriegen (aus welchen Gründen auch immer, ziehe den Hut!), halten anderen Eltern vor, zu jammern. Das ist ein typisches Manöver, wenn auch sicher unbewusst. Familien werden mit dem Jammer-Vorwurf klein gehalten, das sieht man gerade in den Medien. Aber ganz besonders Frauen wird das entgegnet, sobald sie den Mund aufmachen. Ganz wichtig: lass dich davon niemals abhalten, so großartige Texte zu schreiben. Denn alle Eltern brauchen genau das, um die Kraft aufzubringen, sich zu beschweren oder einfach nur weiterzumachen. Seit Jahrhunderten ist es gesellschaftlich wenig akzeptiert, wenn Frauen Missstände ankreiden, das ändert sich nur langsam. Ich blogge nun schon seit 6 Jahren und hatte so oft Kommentare unter meinen Texten, die mir Gejammere vorwarfen. Anfangs hat mich das still gemacht, jetzt macht mich das nur noch sauer. Denn sogar Frauen haben dieses Mittel übernommen, dabei müssten gerade wir zusammenhalten. Noch einmal Danke für deinen Text. Es saßen sicher tausende Eltern vor dem Handy und haben genickt und sich verstanden gefühlt. Liebe Grüße von Laura

  11. Herzlichen Dank für den tollen Text, der das Problem sehr deutlich macht. Ich finde es schrecklich, wie allgemein mit Familien, insbesondere Müttern und Kindern umgegangen wird. Danke, dass du mit dem Text noch einmal allen eine Stimme verleihst, die im Moment echt verzweifelt sind. Ich bin es jedenfalls auch. Liebe Grüße von Laura

  12. Danke für deinen tollen Text, den ich 100% unterschreibe.
    Ich lebe in Wien, und bin im Vergleich sehr privilegiert – unser 2jähriges Kind darf seit 3 Wochen zum Glück wieder in den Kindergarten. Die 8 Wochen davor waren wirklich, wirklich anstrengend (obwohl wir Unterstützung hatten) und am allermeisten hat das Kind gelitten.

    Ich kann mir ansatzweise vorstellen wie es Familien ohne Unterstützung geht, mit mehreren Kindern, Alleinerziehenden, in finanziell schwierigen Situationen, etc.. Ich mag es mir gar nicht vorstellen wie es in manchen Ländern war, wo die Kinder nicht einmal vor die Tür durften. Und all das macht mich extrem wütend über die „Nonchalance“ mit der die Bedürfnisse von Familien einfach ignoriert werden. Aber Hauptsache Fußball.

    Ich kann es überhaupt nicht nachvollziehen, dass Kindergärten und Pflichtschulen in D, Ö und vielen anderen Ländern mit dem Wissensstand und den Fallzahlen von heute so unterschiedlichen und für mich willkürlichen Regeln unterzogen werden. Obwohl zig Experten schon längst eine gewisse Rückkehr zur Normalität für Kinder einfordern. Kinderrechte sind in den meisten Ländern halt wirklich nicht viel Wert. Und bei der demographischen Entwicklung in Europa sehe ich als langfristige Perspektive wirklich nur die radikale Absenkung des Wahlalters, bzw. Änderung des Wahlrechts.

  13. Hallo, dein Artikel trifft es. Was viele denke ich nicht sehen ist meiner Meinung nach, dass der Alltag mit Kindern und Job ohne Corona an undenkbar vielen Stellen schon auf Kantr genäht war. Auch gut organisierte Eltern, mit einem Bewußtsein für realistische Planungen des Tages werden im normalen Leben oft genug von den spontanen Dingen überrollt. Wir lieben unsere Kinder und bekommen vieles hin. Auch Bettwäsche waschen um 3 Uhr morgens, Fischstäbchen auf Teppiche gespuckt und Gebrüll wegen Glitzer im Auge. Und jeden Tag fit und schick konzentriert arbeiten, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Ohne Kindergarten fast unmöglich. Und dann im Vergleich die jetzige Situation. Wor arbeiten in Schichten im Home Office, und kümmern uns im Wechsel um die Maus. 6 Wochen lang. Es geht, mit viel Organisation halbwegs gut. Nun ist mein Partner wieder verpflichtet ins Büro zu kommen. Vollzeit. Nach Wochen zu Hause hat die 4-jährige aber keine Geduld mehr für lange Mal-Sessions und Tiptoi-Spiele. Sie braucht Aufmerksamkeit, Anregung, Gesellschaft. Radeln, Spielplatz, Spielen etc sind ohne Garten unser tägliches Programm. Ich arbeite von 6-9 Uhr und von 20 – 24 Uhr., Telefonkonferenzen tagsüber quetsche ich zusätzlich rein. Mein Tag hat im Schnitt 19 Stunden. Ich freue mich für jede Familie die besser dran ist, aber viele gehe so wie ich gerade in den Burn Out. 300 Euro… schön… bringt mur meine Gesundheit nicht zurück. Es gibt bessere und schlechtere Tage…. Aber ohne jede konkrete Aussicht auf Unterstützung gehe ich unter. Die Ratschläge kann ich nicht mehr hören… hol dir Hilfe aus der Nachbarschaft. Das geht auf Gegenseitigkeit. Wan genau soll ich dann neben meinem Job noch die anderen Kids zusätzlich nehmen? Versucht mal zu arbeiten während die Kids in der Wohnung toben. Das ist nämlich das erste was passiert. Nach so langer Zeit alle in geht das auch nicht auf Knopfdruck mit dem schön zusammen spielen. Kinder sind unerwünscht, wo ich auch hingehe . Vesorgungen mit Kind? Der Metzger hat vorgeschlagen sie draußen an die Tür zu stellen. Feine Idee. Oma und Opa streiten ohne Mundschutz über Schnitzel an der Theke währenddessen. Risikogrupoe, näh? Mir reichts. Vollständig. Aber ich hab noch keine Tür im Hamsterrafd gefunden.

  14. Danke für Deinen Text. Ich bin immer wieder entsetzt, dass die allerschlimmsten Gegner von Müttern andere Mütter sind. Egal, welche Aufschrei-Ideen in den letzten Wochen probiert wurden, seien es die symbolischen Rechnungen für die Betreuungszeiten, seien es Hilferufe Einzelner oder Twitterhashtags wie Coronaeltern- ausnahmslos IMMER sind es vor allem Mütter, die es offenbar irgendwie besser getroffen hat, die mit Sprüchen wie „dann hättest Du halt kein Kind bekommen sollen“ oder „was für eine schlechte Mutter bist Du?“ eben diesen Verzweifelten noch eins mit der Schippe obendrauf tun. Kritik ist unerwünscht, egal aus welcher Richtung. Ich möchte „kurz“ meine Lage schildern. Ich habe 2 Kinder, 8 und 11 Jahre alt. Beide haben ADHS. Wir haben alle Therapien ausprobiert, schon dafür gab es auch vor Corona nur verletzende Kritik von anderen. Wer nicht in dieser Lage ist, kann sie nicht beurteilen. Ich liebe meine Kinder, DESHALB haben wir auf Ärzte und Experten gehört und auch Medis probiert. Ging katastrophal schief- Nebenwirkung war eine ausgewachsene Depression bei meinem Großen, der daraufhin für 4 Monate in einer Psychiatrie landete. Du glaubst nicht, welche Vorwürfe wir uns anhören mussten. Nun kommen wir notgedrungen ohne Medikamente aus- das macht es ihm aber nicht leichter. Er ist clever und lernt sehr leicht, aber wenn er eine Matheaufgabe liest, hat er nach dem = vergessen, was ganz am Anfang der Aufgabe stand, weil er zwischendurch von 5 Sachen abgelenkt wurde. Dabei reicht es schon, dass eine Fliege gegen das Fenster klatscht oder ein Bleistiftstrich etwas schief ist. Wir haben das Jugendamt um Hilfe gebeten, außer „geben sie das Kind ab“ gab es keine Hilfe. Schulbegleitung? „Er muss ja kein Abitur machen, für die Gesamtschule reicht Anwesenheit, die schafft er auch ohne Schulbegleitung.“ Die Lehrer konnten kaum noch, er sitzt mehr vor der Tür als im Unterricht, weil er irrsinnig hibbelig ist und damit die anderen stört. Konnte ich alles nachvollziehen, schon vor Corona hatte ich also eine Menge Stress, hab es aber immer hingenommen und mein Bestes versucht. Die wichtigste Hilfe war ein von uns privat bezahlter Sozialpädagoge (JA verweigert diese Hilfe), der uns wenigstens den Rücken stärkt und uns Fördermöglichkeiten und Therapieversuche verschafft, immer in der Hoffnung, meinen Kindern zu helfen. Von allen anderen Seiten wird alles, was wir versuchen, niedergemacht. Quintessenz:“Du bist einfach unfähig“. Durch Corona hat sich alles verschlimmert. Wir haben einen Spielplatz vor der Tür, der war wochenlang gesperrt. Die Kinder hatten nur das Trampolin zum Toben. Wir sind täglich mit ihnen in den Wald, damit sie sich bewegen können, aber da muss halt mindestens immer einer mit, es ist zu weit weg. Dieser eine bin zwangsläufig ich, denn Papa „wohnt“ jetzt im Keller, er schließt sich dort ein, um in Ruhe zu arbeiten. Ich bin flexibler, das wird irgendwie erwartet, also homeschoole ich die beiden, diskutiere von morgens um 7 bis abends um 8, wann denn jetzt bitte endlich Mal ein paar Arbeitsblätter gemacht werden können, diskutiere mit 10 Lehrern auf unterschiedlichsten Kommunikationswegen über den nicht zu bewältigenden Umfang der Arbeiten und organisiere im Zweifel 2 parallele Videokonferenzen. Ja, gsd geht es uns finanziell so gut, dass wir mehrere, wenn auch alte Rechner haben und die Internetanbindung schnell genug läuft. Zwischendurch dann eben Bewegung im Wald, wo ich blöde angemacht werde, weil ich rumsitze und Mails checke, während meine Kinder lärmend Bäume zu Hackschnitzeln verarbeiten. Wenn wir Zuhause sind, brüllen sich die Kinder pausenlos an, sie haben halt beide kaum Frustrationstoleranz und brauchen Aufmerksamkeit. Ich kann mich aber nicht zweiteilen, also wird zwangsläufig immer einer „vertröstet“ und dreht dann erst recht hoch. Vor Corona habe ich sie in die Tanzschule, zum Sport und zu den Pfadfindern gebracht, da fühlen sie sich wohl und können sich austoben, auch Mal im Mittelpunkt stehen… Andere Mütter: “ du schiebst sie ja nur ab, das ist viel zu viel, Kinder brauchen doch Langeweile“. Ich arbeite Abends, wenn Papa einkaufen war und gekocht hat (ich will mich über ihn keinesfalls beschweren, er tut auch nur, was er kann, aber er verdient nun Mal einfach mehr und hat deshalb das Privileg des Kellers). Meine Schicht über Buchhaltung und Berichten endet dann regelmäßig um 2 Uhr nachts und dann schlafe ich 4 Stunden am Stück. Morgens fängt dann wieder der Schulstress und die Zankerei an… Tagein, tagaus. Ich habe keine Zeit, mich stark zu machen, es ist einfach keine Energie mehr übrig. Wenn ich nicht mehr kann, weine ich draußen vor der Tür bei einer Zigarettenpause- denn dann müssen mich die Kinder in Ruhe lassen, das sie nichts vom Rauch abbekommen sollen und wollen, sehen sie ein. Also rauche ich viel mehr als früher und gönne mir ein bisschen Selbstmitleid. Am meisten stört es mich, dass kein Ende in Sicht ist. Die Schule startet wieder heißt bei uns: die Kleine ist seit heute jeden Mittwoch für 3 h in der Schule, der Große darf alle 14 Tage für 4 Stunden hin. Natürlich nicht mittwochs. In unserem Landkreis mit 280000 Einwohnern gab es lt. Gesundheitsamt zur schlimmsten Coronazeit nie mehr als 60 bestätigte Fälle gleichzeitig, derzeit sind es 27, davon 8 in einem Altenheim. Wenn ich aber Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, einem Infizierten in freier Wildbahn zu begegnen und dem dann so nahe zu kommen, dass man sich ansteckt- gelte ich als Coronaleugner und werde mit Verschwörungstherotetikern in einen Topf geworfen und verspottet. Ich persönlich habe keine Angst, dass sich in meinem Umfeld, in meiner Familie irgendwer ansteckt- wo denn? Klar sieht das anderswo anders aus. Wo die Quote höher ist, bin ich auch für mehr Schutzmaßnahmen. In unserer Gegend sind aber eher die Kollateralschäden deutlich höher. Wie viele werden wohl in Depressionen verfallen? Wie viele Arbeitslose und prekäre Verhältnisse wird es wohl am Ende mehr geben? Wie viel Gewalt gegen sich selbst und andere? Wiegt das den Schutz vor hier kaum vorhandener Corona auf? Wie viele Menschen werden sich zerstreiten, weil sie sich gegenseitig kontrollieren und anschwärzen, nur weil der andere in ihren Augen etwas falsch macht? Weil es offenbar im Wesen des Menschen liegt, sich – wenn man schon eingeschränkt wird und sich hilflos fühlt- dann wenigstens dafür zu sorgen, dass es anderen noch ein bisschen schlechter geht…Mein Vorschlag an die Politik wäre, auf die Menschen zu vertrauen, niemand möchte doch ersthaft krank werden. Nicht mit generellen Maßnahmen alles platt machen und mit Angst und Moralkeule zu regieren, sondern mit Augenmaß vor Ort zu agieren. Sprecht nicht Verbote, sondern Empfehlungen aus, sperrt nur zu, wenn die Zahlen steigen, seid flexibler. Klärt auf. Bietet Alternativen. Wer den Sinn der Maßnahmen versteht, wird sich daran halten, dafür sorgt der Selbstschutzreflex. Wir sollen Euch vertrauen, dann vertraut doch auch uns. Lasst Pfleger in die Altenheime ziehen und dort mit den Bewohnern gemeinsam isolieren, zahlt sie dafür aber anständig und haltet ihnen nicht die Arbeitszeitregelungen vor, wenn sie das freiwillig machen. Unterstützt die, die sich isolieren wollen oder müssen: durch Geld, Lieferservices und Telefonsprechstunden bei allen denkbaren Einrichtungen (Ärzte, Ämter etc.). Bietet die Alternative, sich selbst zu entscheiden, wie viel Risiko der Einzelne eingehen möchte. Auf aufgeklärter Basis, auf der Basis von glaubwürdig kommunizierten Zahlen und Fakten. Und erstickt nicht jede Kritik im Keim mit der Moralkeule, der geschürten Angst oder der automatisierten Diffamierung als Verschwurrbelungsanhänger. Nehmt die Leute war und holt sie dort ab, wo sie stehen. Das geht nicht bundes- oder landesweit. Auch, wenn es dann einen Flickenteppich aus Maßnahmen gibt, die allermeisten Menschen sind nicht doof. Aber sicher viele verzweifelt oder schlicht ausgebrannt. Politiker möchte ich auch nicht sein, niemand macht alles richtig und von denen wird das offenbar erwartet. Aber ich habe auch noch keinen gesehen, der irgendwann Mal einen Irrtum eingestanden hätte. Den würde ich sofort wählen, glaube ich. Seit 14 Tagen ist der Spielplatz wieder offen. Die Kinder, die dort zu beobachten sind, halten ganz von allein Abstand und Regeln ein, die Muttis haben offenbar einen guten Job dabei gemacht, es ihnen nahezubringen. Wenn ich aber mit den Müttern ins Gespräch kommen, sind alle gerade überfordert und am Ende der Kraft. Bisher hat keine von ihnen erzählt, wie toll ihr Homeschooling läuft oder wie viele Online-Fitnesskurse sie ausprobiert und durchgehalten hat, welche Ausstellungsquadratmeter durch liebevollen Bastelarbeiten ihrer durchgehend rücksichtsvollen und erfüllenden Kinder gefüllt werden könnten oder dass sie seit 12 Wochen so gechillt und glücklich wie nie ist. Ist aber vermutlich verzerrte Wahrnehmung, denn diese „perfekten Muttis“ sind vielleicht damit beschäftigt, ihr Glück anderen unter die Nase zu reiben, nach denen zu treten, die eh alles falsch machen und selbst schuld sind?

  15. Eine Kinderlose kommt zu Wort

    27. Mai 2020 — 10:41

    Ich verstehe euch gebeutelten Mütter und Väter nur zu gut. Und wünsche mir schnellstens die Kitas und Kindergärten in Betrieb zurück! Und das aus purem Eigennutz! Was denkt ihr denn, wie „angenehm“ es im eigenen Haus und Garten ist, wenn seit 2 Monaten Tag für Tag die gesamten kleinen Nachbarschaftskinder auf ihren Terrassen und Gärten ein Riesen-Tohuwabohu veranstalten? Bin ich kinderfeindlich, weil ich Ruhe haben möchte ? Absolut nicht, ich liebe es, mir gezielt Zeit zu nehmen für meine kleinen Nichten, ich gehe im Spiel mit ihnen sogar auf – ABER: ich kann es auch lassen, wenn mir nicht danach ist. Das ist der entscheidende Unterschied. Jetzt bin ich im Homeoffice permanent lärmenden Kindern ausgesetzt, weil ihr Eltern keine Lust habt, sie im Haus zu behalten oder ihnen beizubringen, dass man beim Toben eben auch andere stört! Luxusprobleme, sagt ihr?? Ich bin als Person mit Hochsensibilität seit Wochen depressiv und sehe auch in den nächsten Wochen nur bedingt Licht am Horizont. Danke, dass ihr Kinder bekommt, die, bevor sie künftige Steuerzahler werden, erst einmal ihre Umwelt gehörig nerven!

    • TQ

      27. Mai 2020 — 14:46

      Hab lange überlegt, ob ich diesen doch ziemlich cringeigen Kommentar freischalten soll. Hab es jetzt getan, als Beispiel für Menschen, die extrem selbstreflektiert sind. „Bin ich kinderfeindlich…? Absolut nicht.“ Ich habe herzlich gelacht, danke.

    • Oh weija, das finde ich jetzt echt krass. Na, dann lass Dir Deine Rente mal von wem bezahlen! Die Kids müssen raus, um nicht durchzudrehen, für die Kinder ist es auch nicht einfach, sozial abgetrennt zu sein und den Eltern kann man es wirklich nicht übelnehmen, dass sie ihre Kinder sich draußen austoben lassen. Wie wäre es mit Ohrenstöpseln, oder schallschluckenden Ohrenschützern, wie für Menschen, die mit Motorsägen oder sonstigen lauten Maschinen arbeiten müssen?
      Meine Kinder sind jetzt zwar schon lange groß, aber ich habe vollstes Verständnis für die armen Schweine, die Homeoffice und Kinder wuppen und quasi keine moralische oder konkrete Unterstützung bekommen. Das Erste, was mir zur Isolierung einfiel war, dass das eine komplette Katastrophe für Eltern mit kleinen Kindern sein wird. Eine meiner Töchter ist alleinerziehend und hat drei schulpflichtige Kinder unter zehn Jahren. HOMESCHOOLING!! hat sie aufgegeben, weil sie es einfach nicht schafft , drei Kinder und Homeoffice , Haushalt, etc gebacken zu bekommen. Sie benutzt jetzt Schulprogramme im .net damit ihre Kinder den Anschluss nicht ganz verlieren. Wie das im Endeffekt ausgehen wird, wer weiß.
      Also : Respekt vor allen Eltern, die mit diesen widrigen Umständen klar kommen und um Himmelswillen habt Verständnis für die, die am Rad drehen. Ich lebe in Frankreich und habe meine Tochter, die Legasthenikerin ist, durch HOMESCHOOLING geboxt ( anders kann man das wirklich nicht nennen, selbst wenn das Boxen!! nur symbolisch gemeint ist) und weiß wie schwierig das ist, Kinder , die lieber mit anderen in die Schule gingen, bei der Stange zu halten und das Schulprogramm durchzuziehen. Um ehrlich zu sein, habe ich, um ständigen Streitereien aus dem Weg zu gehen, besonders als sie in die Pupertät kam, einen Teil der Hausaufgaben selber gemacht, weil ich die heftigen Konflikte einfach nervlich nicht mehr ertragen konnte. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch vier andere Kinder, die allerdings ganz normal in die Schule gingen und einen schwerkranken Mann. Stress pur und ich frage mich heute oft, wie ich das alles hinbekommen habe. Es war sehr schwierig und deshalb kann ich vollkommen verstehen, wie diese Krise das Leben von Eltern unglaublich belastet. Ich wünsche Euch allen viel, viel Courage und dass bald eine gangbare Lösung dieser Probleme gefunden wird. Take care!!!

  16. Danke für Deinen Artikel, du sprichst mir aus der Seele und inhaltlich ist dem nichts hinzuzufügen. Was ich wirklich schade finde, ist, dass andere Eltern, die die Situation als nicht so belastend empfinden, das Leiden der Eltern, die am Ende sind, nicht nur relativieren, sondern dem ganzen sogar die Berechtigung entziehen. Tja, schade dass du so fertig bist, aber mir gehts ganz toll. Wie fies! Wo bleibt die Solidarität, gerade unter Eltern? Wenn mir jemand sagt, hey mir gehts gerade echt nicht gut, dann sag ich doch nicht: mir aber schon, ätschibätsch? Wir dürfen nicht vergessen: jeder empfindet Situationen anders, empfindet Belastungen anders und das ist doch ok so. Wenn ich mit dieser sehr sehr unfassbar anstrengenden Situation gut zurechtkomme (tu ich nicht, nur ein Beispiel) heißt das nicht, dass das alle anderen auch können. Das ist dann ein psychisches Privileg, gibts ja auch, so wie es gesellschaftliche und soziale Privilegien gibt, Und da darf man dann froh drüber sein. Aber ich finde es nicht fair, den Menschen, denen es nicht gut geht, das noch vorzuwerfen.

  17. Danke dafür, dass du so ehrlich deine Sicht der Dinge schilderst. Ich kann nicht verstehen, warum man Eltern die Schuld zuschiebt, weil sie ein Kind haben, das alle 15 min angerannt kommt. Ich habe zwei, Nummer eins braucht alle paar Minuten neuen Input, Nummer zwei kann sich von Anfang an Stunden lang vertiefen ins Spiel. Es ist unfair, das den Eltern anzukreiden, wenn es eine Sache der Veranlagung ist. Gegenseitiges Verständnis untereinander wäre mein Wunsch. Sonst kommen wir mit mehr Schäden aus der Krise als es notwendig wäre. Es ist toll, dass du so hilfsbereite Freunde hast, die dir unter die Arme greifen. Das hat es schon immer gebraucht und jetzt ganz besonders.

  18. Ja, ich verstehe dein Gefühl…
    Bin alleinerziehend, 3 Kinder (6. Klasse Gymi, 3. Klasse Grundschule und KiGa) und wurde direkt zu Beginn des Lockdowns wegen Sparmaßnahmen gekündigt, also finanzielles Fiasko (es war ja davor schon mehr als knapp).
    Innerhalb von 3 Tagen ist quasi alles weggebrochen.
    Keine Unterstützung vom Staat, keine Familie.
    Ein paar Freunde und Nachbarn haben mir gelegentlich Lebensmittel mitgebracht, ich hab mir geholt, was von den Tafeln übrig blieb.
    An manchen Tagen hab ich vorgegeben, keinen Hunger zu haben, damit es für die Kinder reicht.
    Vor 3 Wochen bin ich dann zum Arzt, weil ich kaum noch stehen konnte.
    Ich bangte um das Heim meiner Kinder, mit ach und Krach hab ich gespart und zusammengekratzt um die Miete zu zahlen.
    Wie gesagt, der Staat hat mich völlig fallen gelassen, ich bekomme keinen Cent.

    Ich war am Ende, körperlich und psychisch.
    Mehr als das… und ja, es hat mich verändert.
    Ich war enttäuscht und wütend, so unglaublich wütend von und auf die Politik, die Menschen, die es scheinbar so viel leichter haben als ich, auf alles und jeden.
    Und wie ungerecht die Welt doch ist… was hab ich geweint.
    Hat es mir was gebracht? Nein.
    Und ja:
    Inzwischen arbeite ich wieder, kann wieder essen, habe ich mich gefangen, sortiert und stelle fest, ich habe viel gelernt.
    Es war und ist für viele sicher schwer, für manche sehr schwer und für manche eben nicht.
    Ja, die Welt ist ungerecht.
    So ist es und so wird es immer sein.
    Und es wird immer jmd geben, dem es vermeintlich „besser“ oder „schlechter“ geht.

    Inzwischen glaube ich, dass es nicht darauf ankommt, welche Lebensumstände man hat oder welche Hilfe man bekommt, sondern darauf, wie man mit der eigenen Situation umgeht.

    DU entscheidest, was du aus deinem Leben machst, niemand sonst. DU hast es in der Hand.
    Ansonsten bist du immer ein „Opfer“ der Umstände und machst dich damit selbst handlungsunfähig. Das „Du“ bezieht sich jetzt nicht auf dich, liebe TE, sondern sollte eine allgemeine Anrede sein 😉

    Natürlich darf man auch Kritik an der Politik äußern, aber sich von den Umständen das Leben vermiesen lassen… das wäre doch schade!

    Du hast nicht immer alles in der Hand, aber du entscheidest, wie du damit umgehst und was du aus der Zeit machst, die dir gegeben ist (nicht ganz wörtliches Zitat, aber sinngemäß großartig finde ich) 😉

    Alles Liebe für dich und für alle, die das lesen…

    • TQ

      28. Mai 2020 — 9:41

      Ich freue mich, dass das für dich geklappt hat. Ich finde es toll, dass du genug Resilienz und Selbstwirksamkeitserwartung hattest, um dich aus der Sache geistig rauszuziehen. Nur: Das sind Merkmale, die nicht alle Menschen mit dir teilen. Und Merkmale, die sich nicht leicht „herstellen“ lassen, wenn jemand sie nicht hat.

      Ich habe diese beiden Merkmale für gewöhnlich schon. Eigentlich bin ich nicht unbedingt depressiven Verstimmungen zugeneigt. Aber in der aktuellen Krise fühle ich mich a) meiner Selbstwirksamkeit beraubt durch fehlende Repräsentation meiner Agenda in der Politik, und b) einem System ausgeliefert, das ich nicht beeinflussen kann. Diese zwei Faktoren kann ich mir nicht einfach schöndenken. Ich kann mich nicht zum Subjekt machen, so lange andere mich zum Objekt ihrer Politik und Handlung degradieren.

      Versteh mich bitte nicht falsch, grundsätzlich gebe ich dir zumindest in Teilen Recht: Es hilft der psychischen Gesundheit, sich selbst als Akteur*in zu sehen. Wo das aber schlicht nicht stimmt, hilft es meiner Ansicht nach nicht wirklich. Ab einem bestimmten Punkt sollten wir darauf schauen, wo das System, die Politik, die Umstände bestimmte Gruppen benachteiligen. Rassismus lässt sich nicht schöndenken, Sexismus nicht, Homohass nicht. Und die systematische Diskriminierung (ja, doch) von Eltern und Kindern auch nicht.

  19. Danke für diesen Beitrag! Du sprichst mir absolut aus der Seele, wir sind in exakt der gleichen Situation und ich kann das komplett nachvollziehen. Vor Juli keine Aussicht auf Besserung…

  20. Kinderloser Mann

    30. Mai 2020 — 5:36

    Vorab, warum der komische Name: Auch Leute, die selbst in einer viel leichteren Position sind, sehen, was Eltern durchmachen, obwohl es ihnen selbst im Lockdown fast besser geht als vorher, und unterstützen ihren Fall.

    Selbst wenn man nicht selbst die Erfahrung hat: Jeder Mensch war selbst einmal Kind und bei einem reflektierten Rückblick kann man leicht feststellen, wie viel Zeit, Nerven und Energie die eigenen Eltern aufbringen mussten, wenn Ferien waren (Urlaub nehmen, Geld für Ferienbetreuung aufbringen – alles Sachen, die jetzt nicht gehen!). Sich vorzustellen, wie es den eigenen Eltern ergangen wäre, hätten sie über Monate hinweg von zu Hause arbeiten müssen und dabei all das – Unterhaltungsprogramm, Lehrkraft, voll funktionierende Arbeitskraft und dazu noch eigener Mensch – sein müssen, muss für jeden Menschen dazu führen, hier nichts als volles Mitgefühl zu haben und sich zu wünschen, dass diese Probleme ganz anders berücksichtigt werden als bisher, nämlich gar nicht.

    Die menschliche Psyche ist Teil unserer Gesundheit, und diese Gesundheit wird durch die gegenwärtige Lage überstrapaziert. Ohnmachtsgefühle und psychische Probleme bis hin zu Selbstmordgedanken sind keine Schwäche, sie sind logische Folge dieser Belastung, insbesondere bei Eltern mit Kindern im Kindergartenalter. Die hieraus entstehenden Opfer und Schäden stehen in keiner Statistik des RKI, sie werden nicht in jeder Nachrichtensendung grafisch dargestellt, aber sie sind noch viel wichtiger, weil sie eben nicht so plakativ zu zeigen sind und weil sie unsere Zukunft angehen.

    Ich hänge keinen Verschwörungstheorien nach, ich glaube nicht an Bill Gates und schon gar nicht an sonst irgendeine Lüge. Ich wünsche mir aber, dass jede Einschränkungsmaßnahme, insbesondere in der Kinderbetreuung und der Unterstützung der Eltern bei der Risikobetrachtung die immense Belastung für Eltern und Kinder berücksichtigt. Es kann nicht nur um Covid-19-Tote gehen, es muss auch um die Opfer der psychischen Folgen der „Schutzmaßnahmen“ gehen. Wir wollen nicht Leben gegeneinander aufrechnen, aber wir müssen es in einem gewissen Maße, wenn wir nicht riskieren wollen, dass Familien die ganz großen Verlierer der Krankheit werden, für die sie vielleicht am wenigsten anfällig wären.

  21. Vielen Dank für diesen Text, der mir so sehr aus der Seele spricht. Es ist die wahnsinnige Erschöpfung nach einem nun fast 3 Monate währenden Spagat und die Gewissheit, dass das, was Eltern (v.a.) Mütter derzeit leisten, nicht gesehen wird, die einen verzweifeln lässt.
    Das Tüpfelchen auf dem i sind die bananenbrotbackenden RelativiererInnen, die einem von oben herab signalisieren, man mache irgendwas falsch…

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