glowpen

Autor: TQ (page 2 of 2)

Von allem weniger, vom Guten mehr: KonMari für Menschen mit Armutserfahrungen

Loslassen ist für einige Menschen leichter als für andere. Besonders Menschen, die schon einmal in Armut gelebt haben, können Schwierigkeiten damit haben, Dinge loszulassen. Für uns, die erfahren haben, wie das Geld zwischen den Fingern zerrinnt, sind Gegenstände manchmal das Einzige, was wirklich echten Wert hat.

Weil ich Gegenstände anfassen kann. Weil sie einen direkten, unmittelbaren Nutzen haben. Weil auf den billigen Klamotten keine Kuckuck-Aufkleber haften.

Zeug, Zeug, so viel Zeug

Dinge auszumisten, sie loszulassen, das kann gerade für Menschen, die einmal arm waren, eine Herausforderung sein. Für mich war es zumindest so.

Ich hatte seit meinen Jahren in Armut einige Jahre in relativem Wohlstand gelebt und mich eigentlich daran gewöhnt. Ich konnte Geld ausgeben für Dinge, die ich nicht unmittelbar brauchte, und ich konnte sogar ein bisschen sparen. Das ist nicht selbstverständlich. Aber es fiel mir schwer, altes Zeug loszulassen. Konnte ich das alte ausgeleierte Longsleeve nicht doch noch irgendwie benutzen, obwohl die Elasthanfasern allesamt gerissen waren und wie ein feiner grauer Pelz aus dem Baumwollgewebe lugten? War ich denn wirklich sicher, dass ich die Hose von 2003 nicht mehr tragen wollen würde, also gerade sollen Hüfthosen doch wiederkommen! Also hielt ich mich an meinem Zeug weiter fest wie eine Ertrinkende an Treibgut.

Im Laufe der Jahre habe ich auf diese Weise viel Kleidung angesammelt. Mein Leben veränderte sich nach dem Studium, ich brauchte schickere Kleidung für meinen schickeren Job. Dann änderte sich mein Leben wieder, und ich brauchte wieder legere Kleidung für meinen legeren Job. Ich wurde schwanger, kriegte ein Kind, neues Leben, neue Kleidung. Dazu kommt, dass ich irgendwo zwischen maskulinem* und femininem* Stil hin- und hermäandere, und ich mich so kleiden können will, dass ich mich wohl fühle, egal, wie ich mich gerade fühle. Und ich gab mir zwar Mühe, ab und zu auszusortieren, aber es wollte nicht wirklich funktionieren

Sich (nichts) gönnen können

KonMari, die Methode von Marie Kondo, Gegenstände anzusehen, in den Händen zu halten, in sich hineinzuhorchen, zu bewerten – und schließlich auszusortieren und neu zu organisieren, versprach einen anderen Ansatz. Ich musste nicht auf 100 Dinge aussortieren, musste keinen starren Regeln irgendeines Minimalismus-Gurus folgen. Ich konnte in mich hineinhören und schauen, welche Kleidung mich „mit Freude erfüllt“.

Ein großer Berg Kleidung, aufgetürmt auf einem Bett.
KonMari, Stadium 1: Ein Berg Kleidung auf einem Bett aufgetürmt.

Und es hatten sich viel Kleidung angesammelt (und viele andere Dinge, aber so weit bin ich noch nicht)! Und wie das manchmal ist, zwischen den 30 mittelmäßigen Oberteilen, die auch irgendwie noch passen und irgendwie okayish aussehen gingen die 20, die ich liebte, komplett unter. Die Kleidungsstücke, die mir die meiste Freude bereiteten, waren schwer zu finden, und wenn ich sie doch fand, wollte ich sie lieber „schonen“ – und zog dann doch wieder die mittelguten Sachen an, die auch noch irgendwie gingen.

Der Klamottenberg auf dem Bett verfehlte das Schockmoment nicht.

Ich hielt also meine ranzigen Oberteile, die Jeans, die schon immer schlecht gesessen hatten, die Fehlkäufe, all die Sachen, die ich all die Jahre mit mir herumgeschleppt hatte, die unzählige Umzugskartons von innen gesehen hatte, in den Händen und wartete darauf, dass sie in mir etwas berühren. Und das taten sie.

Mehrere Tütel und eine Klappkiste voller Kleidung: Meine aussortierten Kleidungsstücke.
KonMari, Stadium 2: Die aussortierten Klamotten.

Sie machten mich traurig. Ich schämte mich für sie. Ich fühlte mich angewidert, beschämt, befremdet, irritiert. Ich glaube, es ist wichtig, nicht nur auf dieses ominöse „sparking joy“ zu achten, sondern auch auf diese negativen Gefühle. Also legte ich die Kleidung, die in mir schlechte Gefühle auslöste, zusammen, bedankte mich und sagte tschüss.

Dieser letzte Schritt, das „Danke“ sagen, das war der Unterschied. Dieses Detail war es, was mir die Trennung von meinem überflüssigen Zeug möglich machte. Für mich war das, als würde ich einem Teil meiner armen Vergangenheit „danke“ und „tschüss“ sagen. Sie endlich akzeptieren – und loslassen. Endlich loslassen.

Und dazwischen: Ich

Mehrere Stapel ordentlich gefaltete Kleidung von oben fotografiert.
KonMari, Stadium 3: Kleine Stapel mit sortierten Kleidungsstücken, die ich behalten will.

Und mitten in diesem Berg aus schlechten Gefühlen, halb Knauserigkeit und halb Kaufrausch, waren die Stücke, die ich liebte. Wunderschöne Sachen, die ich gerne trage, die ich vor Jahren schon gerne getragen hatte, die aber bisher immer in dem Wust aus Zeug untergegangen waren. Und natürlich gab es auch Kleidungsstücke, bei denen ich mir unsicher war. Die mich ein bisschen happy machten, und auch ein bisschen traurig. Mit manchen verbinde ich schlechte Erinnerungen, mit anderen einfach – nichts. Ich habe versucht, so gut zu entscheiden, wie es ging, und für ein paar Kleidungsstücke heißt das, dass ich sie verändern werde, bemalen oder umnähen.

Ich muss sagen, dass das Gefühl, meine übrig gebliebenen Sachen zusammenzufalten und aufrecht gepackt in langen Kisten zu verstauen, sehr gut war. Ich glaube, ich habe mich noch nie so gut gefühlt, was meine Kleidung anging. Ich mache den Kleiderschrank auf, und da ist kein Kleidungsstück mehr, das mir ein schlechtes Gefühl macht. Das ich erst aus dem Schrank ziehe, um es dann wieder hineinzustopfen, weil es zu kaputt zum anziehen ist. Kein Stück, das ich nur gekauft habe, weil es heruntergesetzt war und ich dringend was brauchte und es danach nicht mehr loswurde.

Eine Kiste mit fein säuberlich gefalteten, aufrecht stehenden T-Shirts
KonMari, Stadium 4: Hochkant gefaltete T-Shirts in einer Kiste.

Ich habe den Eindruck, ich verstehe, wieso Marie Kondo sagt, die Methode würde das Leben verändern. Die Auseinandersetzung mit unseren stofflichen Dingen ist zu einem gewissen Teil auch immer eine Bestandsaufnahme der eigenen Person und der eigenen Geschichte. Das ist für einige bestimmt einfacher als für andere, keine Frage. Profitieren können wir aber alle von der bewussten Auseinandersetzung mit der persönlichen materiellen Kultur.

Ich habe mich nach dem Aussortieren mehrere Tage lang sehr dünnhäutig gefühlt. Erst zwei Wochen später konnte ich die Aufbewahrungsboxen kaufen (ja, trotz No-Buy-Jahr, sue me). Aber jetzt bin ich sehr, sehr happy: Ich habe viel weniger. Weniger Mist, den ich aus falschem Pflichtgefühl mit mir herumschleppe. Weniger Zeug, das ich statt meiner „guten“ Sachen anziehe. Weniger Altlasten. Und so viel mehr Platz.

Ein Kleiderschrank mit einigen Kistchen, in denen aufrecht Kleidungsstücke stehen. Er sieht aufgeräumt aus.
KonMari, Starium 5: Ein Kleiderschrank, viel leerer als vorher.

Zum Schluss noch ein paar Leseempfehlungen: Distel hat vor zwei Wochen schon über ihre KonMari-Erfahrungen geschrieben, auch im Zusammenhang mit ihrem No-Buy-Jahr. Und auch The Rosenblatts haben einen Artikel zum Thema KonMari und Armut geschrieben, den ich nur sehr ans Herz legen kann!

*) Ich betrachte Geschlecht als soziales Konstrukt und „maskulin“ und „feminin“ als stereotype Ausprägungen einer angenommenen Binarität. Dazwischen gibt es aber noch viel mehr, und darüber hinaus auch, und nur, weil jemand von der Mehrheit der Menschen der westlichen Welt auf irgendeine Weise wahrgenommen wird, macht das die Person nicht automatisch dazu. Nur, weil jemand feminin gekleidet ist, muss das nicht bedeuten, dass die Person an sich feminin ist oder eine Frau ist oder feminine Stereotype bedient.

Das Problem mit schwammigen Kategorien im No-Buy

Letztes Wochenende habe ich damit verbracht, meinen Kleiderschrank nach der Konmari-Methode auszumisten. Angesteckt war wurde ich durch die Netflix-Serie, aber auch durch Distel und insgesamt die Leute auf Mastodon. Das Aussortieren war sehr, sehr gut, wenn auch gleichermaßen anstrengend, und ich werde dazu noch einen Artikel schreiben. Dazu fehlen mir aber noch die letzten Schritte, daher bitte ich noch um Geduld.

Was ich aber gemerkt habe, als ich meinen Kleiderschrank aussortierte: Ich habe in den letzten Jahren zu viel Geld für zu viele Klamotten von zu schlechter Qualität ausgegeben. Viele der Oberteile, die in den Altkleidersack wanderten, waren weder nachhaltig noch besonders schön. Darin lag auch ihre Überflüssigkeit: Sie waren nicht besonders für mich. Sie waren beliebige Konsumgüter, zum Teil nie getragen.

Ein großer, chaotischer Berg von Kleidungsstücken, die durcheinander fallen.

Was ich dabei auch merkte, war: Mir fehlt eine bestimmte Art von Oberteil: Ein einfaches Longsleeve. Schwarz, relativ warm, um es im Winter unter Pullover zu ziehen oder im Frühling und Herbst als Oberteil zu tragen. Mit einem normalen Kragen, keinem Rollkragen. Ich hatte vor dem Aussortieren vier Rollkragenoberteile, von denen ich zwei wegen schlechter Qualität wegsortiert habe. Ich habe einige Hemden, die ich unter Pullover tragen kann. Und ich habe ein einziges, weites, quergestreifes Longsleeve. Und ein dünnes Dreiviertelarm-Top in blassem Rot. Ich mag die beiden gerne, auch die zwei übriggebliebenen Rollkragenoberteile, aber ich habe das Gefühl, dass mir ein Oberteil fehlt. Ein absolut einfaches Basic-Teil.

Wieso ich das bisher nicht gewusst habe, ist eine gute Frage. Ich denke, ich habe die Sachen getragen, die jetzt dem Ausmisten zum Opfer gefallen sind: Meh-Teile, die sich schlecht anfühlten, in denen ich schwitzte, die nicht richtig passten oder die inzwischen alt waren und das Elasthan ausgenudelt. Jetzt, da ich nur noch Dinge im Kleiderschrank habe, die ich wirklich mag, sehe ich die Lücke erst. Ich habe nicht jeden Tag Bock auf einen Rollkragen oder Hemdkragen, die stören mich oft. Und das gestreifte Top ist irgendwie mehr für drüber als für drunter. Der Stoff ist fest, und unter hellen Pullis kann ich es nicht tragen, ohne, dass das Streifenmuster durchguckt.

Jetzt stehe ich in meinem No-Buy-Jahr ein bisschen vor einem Luxusproblem. Mein Dilemma ist: Ist „schwarzes Longsleeve“ eine eigene Kategorie, die nach meinen Regeln einen Kauf rechtfertigen würde? Oder ist „langärmliges Oberteil“ die (weiter gefasste) richtige Kategorie?

Ich bin nicht sicher, ob ich mich hier selbst betrüge. Und gleichzeitig weiß ich auch nicht, wie lang das Thema überhaupt wichtig sein wird: Wird dieser Winter kurz oder lang? Werde ich mich in zwei Monaten ärgern, weil ich dauernd friere oder einen aufgescheuerten Hals von den nervigen Kragen habe?

Ich muss auf jeden Fall noch mindestens eine Woche warten, bis ich nach meinen No-Buy-Regeln etwas kaufen kann. Ich hoffe, dass ich danach klarer sehe.

Eine Ewigkeit in der Bahnhofshölle: Wie mein No-Buy meine Wahrnehmung verändert

Wir waren in der Stadt™️. Nicht zum Einkaufen, sondern in einem Museum. Aber dann mussten wir irgendwann zurück, und weil wir kein Auto haben und auch keins ge-carshart hatten, nahmen wir den Zug. Allerdings war Wochenende, und das bedeutete für uns, dass es unseren Zug leider nicht gab.

Und mit kleinem Kind am Bahnhof fast eine Dreiviertelstunde lang Zeit totschlagen ist eine echte Aufgabe. Was also tun?

Wir gingen also in einer Buchhandlung. Mir war schon den ganzen Tag über mein No-Buy sehr bewusst gewesen, denn normalerweise spähe ich in der Stadt™️ immer nach neuen Dingen. Was haben die Leute an? Was ist in den Schaufenstern neues? Neue Geschäfte? Neue Cafés? Und oft genug fahre ich dann mit etwas Neuem in der Tasche nach Hause. Natürlich etwas Neuem, das ich nicht brauchte.

In der Bahnhofsbuchhandlung des Grauens

Wie sinnlos ich bisher die Zeit am Bahnhof vertrödelt habe, merkte ich dieses Mal deutlicher als sonst. Durch meinen Vorsatz, nichts zu kaufen, war meine Lust darauf, neue Dinge zu entdecken, stark eingeschränkt. Da mein No-Buy auch Bücher beinhaltet, galt das natürlich auch für die Buchhandlung im Bahnhof.

Und so strich ich mit einem für mich sehr neuen Blick durch die schmalen Gänge zwischen den ausgestellten Büchern. Ich sah nicht mehr Romane, Selbsthilfebücher, Notizbücher, Stifte, Krimskrams, den ich vielleicht kaufen könnte. Ich sah Zerstreuung für ein paar Stunden in wechselnder Komplexität und oft fragwürdiger Nachhaltigkeit. Ich sah nette Vorsätze, für die die Energie zwar leider fehlt, aber vielleicht kann man die ja gleich mit kaufen? Ich sah den kaufbaren Wunsch, das Leben durch ein Buch einfacher zu machen. Ich sah Belohnungen für einen anstrengenden Tag, Bestechungen für Kinder, Bauchpinselungen fürs Ego.

Bücher in einer Buchhandlung: "Meditation" und "Shut up and Run"
Käufliche Erleuchtung, käuflicher Sport. So praktisch!

Ich fand es fürchterlich. Mir war die Fixierung auf den Konsum von Büchern so nie bewusst gewesen. Mir war schon klar, dass viele Bücher, vor allem diverse Esotherik- und Selbsthilfeschinken, vor allem dem eigenen guten Gefühl dienten, aber nie vorher hatte ich bemerkt, wie viele Bücher und sonstige Artikel in einer Buchhandlung einfach nur der banale, schnelle Fix waren.

Kalender in einer Buchhandlung: "Beste Freundinnen", "Momente der Achtsamkeit" und "Wanderparadies Deutschland".
Endlich ein Kalender für „Beste Freundinnen“! Oder nehme ich doch den „Momente der Achtsamkeit“?

Mir war kurzzeitig so widerlich zumute, dass ich auf die gegenüberliegende Seite des Bahnhofs in einen „Nanu Nana“ floh. Floh! In einen „Nanu Nana“! Tja.

Kauf mich, denn es gibt mich im Sonderangebot!

Und dann wartete hinten in der Kinderecke noch eine besondere Versuchung für mich: Glow-in-the-Dark-Murmeln. Ich meine, muss ich mehr sagen? Glow! In the Dark! Murmeln! Und sie waren gar nicht teuer.

Ein Display, das für "Mondschein Murmeln" wirbt. "Leuchten im Dunkeln!" Das Display sieht aber gar nicht so cool aus.
Sie heißen Monscheinmurmeln!

Ich habe eine schlimme Schwäche für Leuchtdinge. Dieses Blog endete nicht zufällig mit dem Namen „Glowpen“! Ich habe leuchtende Quietschetiere, leuchtende Acrylfarbe, einen nachtleuchtenden Flummi, nachtleuchtende Klebesterne. Okay, die meisten nachtleuchtenden Sachen habe ich schon mumpfunddreißig Jahre, aber das ist irrelevant. Glow! In! The! Dark!

„Soll ich dir die Murmeln schenken?“, fragte E. Ich gebe zu, ich war kurz versucht.

„Nein, das ist Bescheißen. Außerdem brauche ich die gar nicht wirklich…“, sagte ich.

Und ich bin sicher, das stimmt auch.

Wie lange benutze ich mein Zeug? „Project Pan“

Ich habe schon festgestellt: Ich habe zu viel Zeug. Das sage ich nicht aus einem abgehoben-elitären Wunsch nach performativem Minimalismus heraus, sondern, weil ich zum Beispiel 5 Shampoos habe, die ich aufbrauchen muss, bis ich nach meinen Regeln ein neues kaufen kann. Oder, weil ich nach aktueller Zählung 114 Lippenstifte habe. Von denen ich vermutlich nicht viele wirklich bis zum letzten Rest benutzen werde.

Es gibt in der Makeup-Community etwas, das sich „Project Pan“ nennt. Und das geht so: Es wird versucht, eins oder mehrere Produkte zu „pannen“, es zuerst so weit aufzubrauchen, dass das zuerst das Metallpfännchen sichtbar wird, und es schließlich ganz zu verbrauchen. So etwas dauert. Eine ganze Weile. Wie lange genau? Weiß ich nicht, denn obwohl ich immer mal wieder Dinge verbrauche, benutze ich die meisten im Wechsel mit anderen. Das macht es schwer, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lange ich das Puder, den Lippenstift oder das Rouge benutzt habe.

Wozu ein „Project Pan“?

Ich beginne mein erstes Project Pan daher mit dem Vorsatz, mehr darüber zu lernen, wie lange mein Makeup hält, wenn ich mich auf eine kleine Auswahl konzentriere. Für das Jahr 2019 gibt es ein paar Menschen, die „Pan 19 in 2019“ machen, und denen habe ich mich einfach angeschlossen: 19 Dinge habe ich ausgewählt und mit einem kleinen Sticker versehen, die ich in diesem Jahr leer machen will. Ich halte meine Fortschritte immer am Monatsanfang fest.

Ich hoffe, so lerne ich langsam, wie viel ich benutze. Und auch, wie viel ich nicht benutzen kann, weil ich einfach viel zu viel habe, um alles benutzen zu können, bevor es ranzig wird.

Auf der anderen Seite hoffe ich, dass ich auch ein paar Dinge leer kriege und besseren Gewissens entsorgen kann. Und dann weniger Zeug habe als vorher, was eines meiner Ziele für dieses No-Buy-Jahr ist.

Und zuletzt: Dadurch, dass ich mich auf einige wenige Sachen konzentriere, lerne ich die hoffentlich auch sehr gut kennen und weiß, ob ich sie jemals wieder kaufen möchte oder nicht.

Die 19 Dinge, die ich gewählt habe, sind:

Das Bild zweigt verschiedene Schminkdinge. Insgesamt 19 Rouges, Mascaras, Puder, Lippenstifte und anderes sind zu sehen.
Die Produkte für mein „Project Pan“.
  • Missha Signature BB Cream
  • Nyx Stay Matte But Not Flat Powder
  • Nyx Finishing Powder
  • Nyx Butter Gloss (Angel Food Cake)
  • Maybelline Color Drama (Stripped Down)
  • Mac Lipstick (Craving)
  • Nyx Lipstick (Thalia)
  • L’Oréal Telescopic Mascara
  • Maybelline Lash Paradise Mascara
  • Maybelline Lash Sensational Mascara
  • Sephora Mini Eyeliner (Black)
  • Essence Make Me Brow (Light + Dark)
  • Nyx Microbrow (Taupe)
  • Maybelline Master Camo
  • Catrice Camouflage Concealer
  • Nars Concealer (Vanilla)
  • Nyx Baked Blush (Journey)
  • Benefit Boxed Blush (Rockateur)
Foto von zwei Lippenstiften, die schon fast aufgebraucht sind.
Zwei Lippenstifte: Stand zu Beginn des „Project Pan“.

Einige dieser Sachen habe ich schon länger, einige noch nicht so lange. Einige mag ich gerne, einige nur so mittel. Ich bin jedenfalls gespannt, wie ich dieses Projekt empfinde: Ist es für mich eher eine Last, mich relativ stark einzuschränken? Oder finde ich es angenehm, einfach zu einem dieser Lippenstifte zu greifen, zu der einen Foundation, oder zu einem der beiden Rouges?

Auf dem Foto sind zwei Rouges zu sehen und zwei Puder fürs Gesicht. Bei den beiden Pudern schimmert in der Mitte der Boden des Behälters durch.
Rouge und Puder zu Beginn des „Project Pan“.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr Erfahrungen mit solchen Projekten? Oder könnt ihr euch das vorstellen?

Etwas Neues: Was ich eigentlich suche, und was ich mir statt dessen kaufe

Mein No-Buy läuft jetzt etwas über eine Woche. Und ich erwische mich immer noch dabei, dass ich die Webseiten besuche, auf denen ich früher gerne eingekauft habe, um zu sehen, ob es etwas Neues gibt. Dass ich durch Läden gehe und gucke, was es Neues gibt. Was ich noch nicht ausprobiert habe. Ich will trotz meines No-Buy-Jahres auf dem Laufenden bleiben.

Was genau heißt das eigentlich? Was heißt das, bin ich etwa besonders anfällig bin für dieses Neue, nach dem ich immer suche? Was davon ist eigentlich Ausdruck meiner Persönlichkeit, und was davon habe ich durch geschickte Verstärkung gelernt?

Und wer oder was hat mein (Kauf-)Verhalten verstärkt?

Was ist das „Neue“, dem ich hinterherjage?

Ich bin eine derjenigen, bei denen der Offenheit für Erfahrungen wegen des Deckeneffekts nicht mehr valide gemessen werden kann, sprich: Ich bin extrem neugierig, wissbegierig, Neuem gegenüber äußerst positiv eingestellt, suche stets Abwechslung und fokussiere stark auf neuen Input. Das ist nicht besser oder schlechter als das nicht so zu empfinden, das bin einfach ich.

Diese Offenheit für Erfahrungen macht mich aber, das verstehe ich inzwischen, zu einem gefundenen Fressen für die Stimmen, die mir raten, diesen Impulsen ständig nachzugeben. Also eigentlich alle Stimmen, die irgendwas mit Werbung zu tun haben. Neuer Lippenstift? Pssst! Gleich ausprobieren! Neuer Modetrend? Hui, wenigstens mal im Laden gucken, oder doch gleich kaufen? Was neues abgefahrenes zu Essen? Muss ich sofort probieren, wo kriege ich das jetzt schnell her?

Dabei vermischen sich bei mir zwei Dinge: Meine Freude daran, Neues zu erleben auf der einen Seite. Dieses Neue kann nämlich eigentlich alles sein: Neue Sinneseindrücke. Neue Menschen. Neue Erfahrungen. Neues Wissen. Ja, und auch neue Dinge. Und die wilden Versprechungen der Werbung, dass ein einfach verfügbares, käufliches neues Produkt der Schlüssel zu einem neuen Erlebnis ist auf der anderen Seite: Es ist besser! Es ist schöner! Es ist so unvorstellbar anders und einzigartig! Nie dagewesen! Neuneuneu! Der Lippenstift hat eine Farbe, die du noch nie gesehen hast! Der Modetrend ist nie zuvor dagewesen! Und das neue Essen (ist zwar einfach von anderen Kulturen geklaut und künstilich westlich aufgehyped, aber) bringt dir ungeahnten Genuss.

Der auf diese Weise aufgeladene und aufgebauschte Wunsch nach kaufbaren neuen Erfahrungen führte bei mir dazu, dass ich mich im Konsum verlor. Dass ich mehr kaufte, um mehr zu erleben. Die Folgen sehe ich jeden Tag: Ich habe im Moment noch fünf angebrochene Deos herumstehen. Vier Shampoos habe ich in der Wohnung zusammengesucht (dabei habe ich schon eines verbraucht). Ich fange gar nicht mit meinen Haarstylingprodukten an. Oder mit meinen Lippenstiften.

Konsumieren um zu existieren

Ist es mein Wunsch, mitreden zu können? Die Freude daran, Tipps geben zu können? Es ist sicherlich einfacher, etwas zu kaufen und so neue Erfahrungen zu erwerben, als sich die Mühe zu machen, etwas über neue Ideen und Konzepte zu lernen. Als ein neues Hobby zu lernen, und ich meine jetzt nicht einfach eine Materialschlacht zu vollführen, sondern eine Fähigkeit zu lernen. Vielleicht eine Sprache, ganz ohne viel Kaufzeug. Das ist viel, viel schwieriger.

Und das Versprechen nach Neuem wird bei diesen nicht-materiellen Erwerbungen auch nicht ständig durch Werbung verstärkt. Kein Plakat plärrt mich an: „Lern endlich was über die Politik der 1920er Jahre!“ – zumindest nicht, ohne mir gleich ein alle-Probleme-lösendes Kaufprodukt direkt unter die Nase zu halten. Kein Radiospot sagt: „Siebenbürger Küche wie deine Oma sie gekocht hat, lecker-lecker-lecker-lecker!“, und kein A-, B- oder C-Promi umschmeichelt mich mit „Bring dich auf den aktuellen Stand in deinen Fachgebieten!“ Die wollen mir alle nur was gegen meine Falten verkaufen.

Ich merke, dass Konsum zu einer Ausdrucksform geworden ist. Ich kaufe, also bin ich. Und ich bin, was ich kaufe. Nein: Ich kaufe, was ich sein will. Ich will schön sein, dann kauf ich mir Lippenstift. Ich will modern sein, dann kaufe ich mir irgendsoein Modeteil, das ich genau eine halbe Saison anziehen kann. Ich will erfolgreich sein, dann kaufe ich mir, was andere erfolgreiche Menschen bewerben! Es ist so einfach. Es ist zu einfach.

Schnell, kauf was, sonst verlierst du den Anschluss!

Und da ist noch dieser andere Gedanke: Ich will den Anschluss nicht verlieren. Ich frage mich: Den Anschluss woran? An eine Gesellschaft, die munter auf die Klimakatastrophe hinkonsumiert? An Mode, die sich schneller ändert, damit mehr gekauft wird, damit mehr weggeschmissen wird? Werden hier Werte vertreten, denen ich mich anschließen möchte?

Verliere ich den Anschluss daran, auf Parties über oberflächliche Themen reden zu können? Wen will ich hier eigentlich beeindrucken? Sollte ich dieses Konformitätsbedürfnis nicht mit dem Verlassen der Schule hinter mir gelassen haben?

Es scheint an der Zeit, kritisch darauf zu schauen, an wen und was ich mich da eigentlich anschließe. Welchen Bedürfnissen ich unhinterfragt nachgebe. Durch meinen Konsum. Durch meine Käufe. Durch meine Entscheidungen.

Schockierend: Ich verbrauche Dinge!

Seit ich Anfang des Jahres mit meinem No-Buy begonnen habe, habe ich mir nichts Neues gekauft. Das ist noch nicht lange her, noch nicht mal eine ganze Woche, selbst wenn ich miteinberechne, dass ich wegen der Feiertage schon am 29.12.2018 gestartet bin. Und trotzdem merke ich, dass sich schon Kleinigkeiten ändern. Am deutlichsten merke ich das gerade, weil ich Dinge verbrauche. Also richtig aufbrauche, leer mache, bis nichts mehr übrig ist und ich die Verpackung entsorge.

Ich habe gestern ein Cremedöschen bis auf den letzten Rest ausgekratzt, und eines meiner drei sich in Benutzung befindlichen (!) Shampoos ist seit gestern auch leer. Meine Lieblingsspülung ist fast aufgebraucht, die andere wird auch spürbar weniger. Früher wäre das der Punkt gewesen, wo ich nervös geworden wäre und mir Sachen schon mal vorsorglich nachgekauft hätte. Jetzt geht das nicht. Ich habe noch eine Creme, noch mindestens zwei Shampoos und genannte Reste von Haarspülung. Das muss erst alles weg. Erst dann darf ich überhaupt darüber nachdenken, es nachzukaufen.

Es klingt komisch, aber ich habe oft Probleme damit, Dinge bis auf den letzten Rest aufzubrauchen. Vermutlich, weil ich Angst habe, dass ich so etwas Gutes nie wieder bekomme. Vermutlich verknüpft mit der Sorge, nicht mehr das Geld zur Verfügung zu haben. Das ist die gleiche Angst, die sich früher darin äußerte, dass ich Dinge nicht einmal benutzen konnte. Der schönste Pullover blieb im Schrank, meine Lieblingsspülung benutzte ich nicht, weil sie zu gut war. Nur für besondere Anlässe wurden sie verwendet.

Was hat sich jetzt durch das No-Buy geändert?

Was sich genau geändert hat, ist eine gute Frage. Ich denke, mir ist klar, dass ich jetzt Dinge verbrauchen muss. Restlos. Denn solange ein Rest da ist, kann ich mir nichts anderes kaufen und das Ende einer geliebten Sache länger herauszögern. Es geht einfach nicht, meine Regeln erlauben das nicht. Um neues Shampoo zu kaufen, darf kein anderes Shampoo mehr da sein. Keine von meinen drei angebrochenen Flaschen in der Dusche darf übrig sein. Und kein anderes, das ich eventuell irgendwo sonstwo gelagert habe.

Es ist gut, Dinge zu verbrauchen, merke ich. Das Zeug, das rumsteht wird weniger. Die Entscheidungen, die ich morgens beim Duschen noch vor dem ersten Kaffee treffen muss (Shampoo 1, 2 oder 3? Letzte Chance – vorbei!) werden weniger.

Ich bin nicht traurig darum.

Nichts kaufen! Oder doch? Die No-Buy-Regeln für 2019

Ein No-Buy ist nur so gut wie seine Regeln. Ich habe dieses Jahr vor, mein Kaufverhalten und meine Bedürfnisse und Gedanken rund herum genau unter die Lupe zu nehmen. Dafür brauche ich genaue Regeln, denn ich werde es nicht schaffen überhaupt nichts zu kaufen: Ich muss weiterhin was essen, und für den Fall, dass ein Hund all meine Schuhe auffrisst, oder ich all meine Mascaras verbrauche (was das wahrscheinlichere Szenario ist), möchte ich die Möglichkeit haben, mir neue zu besorgen.

Damit ich jetzt aber nicht trotz schöner Vorsätze impulsiv und unter hoher Endorphinausschüttung Dinge nachkaufe, die ich eventuell gar nicht brauche, habe ich versucht, hieb- und stichfeste Regeln zu formulieren. Und wenn du vielleicht auch darüber nachdenkst, ein No-Buy zu machen, findest du in meinen Regeln vielleicht interessante Anregungen.


Meine No-Buy-Regeln

  • Ziel ist es, am Ende des Jahres von allem weniger zu haben. Entweder, weil ich Dinge aufgebraucht habe, oder, weil ich Dinge aussortiert habe. Das heißt, am Ende des Jahres möchte ich weniger Zeug haben, aber anteilig mehr, was ich wirklich brauche, mag und wirklich benutze, ohne Wenn und Aber.
  • Keine Impulskäufe.
  • Keine neuen:
    • Klamotten
    • Makeup
    • Pflegeprodukte
    • Schuhe
    • Bücher
    • Elektroniksachen
    • Deko / Geschirr
    • Schmuck
  • Wenn alle Produkte einer Produktkategorie leer, kaputt, aussortiert oder schlecht geworden ist, darf ich ein neues gleichwertiges Produkt kaufen. Es gelten die Kaufregeln (unten).
  • Produktkategorien könnten z.B. sein: Sonnencreme, Foundation, Sandalen, Tanktops, Romane, Mascara…
  • Essen, Gesundheit und Hygiene sind ok, aber ich muss ein waches Auge darauf haben, dass sich da nicht plötzlich als Kompensation problematisches Einkaufsverhalten hinverlagert.
  • Dinge, die ich zum Malen oder für sonstige Kunst brauche, sind ok, sofern sie zur unmittelbaren Verwendung gekauft werden. Vorsicht vor Kompensationsverhalten! Es gelten die Kaufregeln.
  • Unternehmungen wie Essen gehen, ins Café gehen, Massage, Friseur sind außen vor und explizit erlaubt. Aber auch hier: Vorsicht vor Kompensationsverhalten!
  • Zusätzlich werde ich nichts von Amazon kaufen, dafür habe ich gute Gründe.
  • Geschenkgutscheine dürfen verwendet werden, aber nur unter Einhaltung aller anderer Regeln!
  • Geschenke von anderen sind in Ordnung, aber ich will versuchen, mir möglichst kleine, verbrauchbare, selbstgemachte Sachen zu wünschen und ganz bewusst auch hier nicht zu kompensieren.
  • Geschenke für andere darf ich kaufen, muss aber aufpassen, dass sich hier kein Kompensationsverhalten entwickelt.

Kaufregeln: Wenn ich etwas kaufen will, geht das nicht einfach so tun. Ich möchte Impulskäufen bewusst entgegenwirken. Was immer ich kaufen will, muss mindestens eine Woche in meinem Warenkorb gelegen haben und ich muss immer noch finden, dass ich es wirklich brauche. Alternativ zu einem Onlinewarenkorb geht auch ein „Wunschzettel“ für Offline-Geschäfte.

Aussortieren werde ich einmal bei Beginn des No-Buy, und dann immer alle drei Monate. Ist etwas kaputt gegangen, schlecht geworden? Benutze ich etwas überhaupt nicht? Dann weg damit!


Das sind sie also, die Regeln für mein No-Buy-Jahr. Es gibt nur eine einzige klare Ausnahme: Bei uns ist unter gruseligen, aber für uns harmlosen Bedingungen eine Malm-Kommode von Ikea kaputt gegangen. Wir suchen seitdem einen Ersatz und haben bisher leider keinen finden können. Wir wollten uns damit nicht das Jahresende über zusätzlich stressen, weshalb dieser Kauf in 2019 in Ordnung ist.

Und du so? Planst du auch ein No-Buy? Wenn ja, warum? Oder warum nicht?

Wie auch immer, ich bin gespannt, wie dieses Jahr wird!

Mein No-Buy-Jahr 2019: Auftakt

Warum ich ein No-Buy mache, was das für mich bedeutet und was ich mir erhoffe.


Es ist Ende 2018, ein schreckliches Jahr für mich persönlich und davon unabhängig für die Welt als Ganzes. Ich werde hier nicht in Politik und Gesellschaft eintauchen, aber es war ein herzzerreißendes, erschreckendes Jahr, voll von mächtigen Menschen, die machtlose Menschen missbrauchen, voll von Krieg, Terror und Auswüchsen des Kapitalismus, die das tun, was sie am besten können. Und ich habe genug davon. Ich bin überfordert, die Auswirkungen abzumildern, indem ich – was? – Geld für kleine Dinge ausgebe, die mich für eine immer kürzer werdende Zeit etwas glücklicher machen. Ich fühle mich davon überfordert, buchstäblich Versprechungen zu kaufen.

Und ich brauche einen Entzug.

Ich muss meinen Verstand von den Versprechungen des Marktes entgiften. Ich brauche keinen weiteren Lippenstift. Ich brauche kein weiteres Spiel. Ich brauche keinen neuen Rock, den ich zu den fünfzig oder sechzig anderen in meinem Schrank legen kann. Ich brauche eine Intervention.

Wieso ein No-Buy? Wie bin ich hierher gekommen?

Ich habe mich entschieden, ein No-Buy-Jahr zu machen. Zufällig bin ich über dieses Video gestolpert:

Und es machte Klick.

Die Konsumgeschichte meines Lebens ist folgende: Ich lebte 28 Jahre lang in relativer Armut. Meine Eltern sind Einwanderer aus der Arbeiterklasse, und ich wurde erzogen, kein Geld auszugeben. Ich ging zur Schule, ich ging zur Uni, und ich hatte am Ende des Monats nie Geld übrig. Ich trug gebrauchte oder billige Kleidung und wurde dafür fertiggemacht und ausgelacht. Ich kann mich lebhaft daran erinnern, wie sauer und verletzt ich war, dass es Menschen gab, die 30 oder 40 Euro einfach so für ein Lehrbuch ausgeben konnten. Ich machte an der Uni meist Kopien, das war manchmal kostenlos oder kostete sehr wenig. Ich erinnere mich auch an die schlaflosen Nächte, wenn das Konto leer war und ich nicht sicher war, ob die nächste Miete mich ins Minus rutschen lassen würde, und ich erinnere mich, wie beschämt und trotzdem erleichtert ich war, als ich Wohngeld bekam.

Ich fühle immer noch mit Ron Weasley, wenn er ruft: „Ich hasse es, arm zu sein!“ Ich hasste es auch.

Seit ich in mein Berufsleben eingetreten bin und etwas Geld habe, habe ich mir nie die Zeit genommen, meine Ausgaben und mein Konsumverhalten einer Prüfung zu unterziehen. Ich spüre immer noch den Nachhall des Rausches meines ersten Gehaltes. Ich habe Kleider gekauft. Ich habe sie einfach gekauft. Das hatte ich zuvor nie ohne sorgfältige Überlegung getan – niemals.

2019 wird sich das ändern.

Deshalb werde ich in diesem Jahr wieder sorgfältig nachdenken. Es ist über 10 Jahre her, seit ich anfing, Geld zu besitzen, das ich frei ausgeben kann, und obwohl ich eigentlich klarkomme, habe ich das Gefühl, dass ich es besser machen könnte. Ich habe das Gefühl, dass ich kurz vor einem Suchtverhalten beim Einkaufen stehe. Denn ich habe nicht viele Hemmungen beim Einkaufen: Ich kaufe nach Belieben ein. Und ich tue das manchmal für den Kick. Ich habe das Gefühl, dass ich so verkabelt bin, dass mir mein körpereigenes Endorphin ziemlich leicht zu Kopf steigt.

Und ich habe genug Make-up, Hautpflege, Kleidung, Dekoration… Wenn ich ehrlich bin: Ich brauche nichts.

Also: Wie werde ich dieses No-Buy-Jahr angehen?

Es wird für mich nicht darum gehen, absolut gar nichts zu kaufen. Ich muss weiterhin essen. Und ich möchte weiterhin malen können. Mein No-Buy-Jahr 2019 wird das Thema „Widerstand“ haben. Widerstand gegen den Rausch, gegen Impulskäufe. Widerstand gegen sinnentleerten, überflüssigen, übersprunghaften Konsum.

Regeln sind dafür wichtig, unabdingbar. Ich arbeite noch an den Details meiner Regeln, z.B. „Es ist in Ordnung, wenn ich alle Dinge einer Kategorie vollständig aufgebraucht habe oder alle kaputt oder aussortiert sind, dann kann ich etwas aus derselben Kategorie nachkaufen“.

Eine weitere Regel ist der Boykott von Amazon. Es fühlt sich an, als wäre es aktuell das Richtige.

Mein Ziel ist es, bis zum Ende des Jahres weniger zu haben. Weniger Unordnung. Weniger Zeug, das ich sowieso nicht benutze. Und dafür mehr Einblick in mich selbst. Mehr Zurückhaltung. Mehr Kontrolle.

Dies ist also der Raum, in dem ich meine Gedanken und Gefühle teilen werde, während ich mein No-Buy-Jahr mache. Wo ich meine Kämpfe teilen werde, falls es welche gibt. Was ich tue, anstatt über den nächsten Kauf nachzudenken. Und ähnliches.

Wenn dich das interessiert, lies weiter. Und vielleicht möchtest du auch unserer kleinen Gruppe auf Mastodon beitreten? Wir verwenden derzeit den Hashtag #NoBuy.

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